Die von der Bergsteigerabteilung Ende April veranstaltete Exkursion „Natur erleben und entdecken an der Wertach“ fand den Erwartungen folgend großen Anklang – innerhalb kurzer Zeit war die Führungstour ausgebucht!

So ging es mit maximaler Gruppengröße sonntagsfrüh auf Erkundung. Bereits am Ausgangsort, der Kulperhütte, konnten wir eine Fülle an Vogelarten ausmachen, und dies insbesondere am Gesang. Klaus Blachut, Biologielehrer und Vogelkenner, erklärte dazu den Umgang mit der Bestimmungs-App „BirdNET“, mit welcher man aus einer Stimmenvielfalt einzelne Arten identifizieren kann, so etwa Gebirgsstelze, Gartenbaumläufer, Zaunkönig, Grünspecht und Zilpzalp. Wasservögel bekamen wir aber unmittelbar in den Blick, so auch den anmutigen Gänsesäger, der in Höhlen von wassernahen Bäumen brütet und später mit seinen geschlüpften Küken die Wertach bevölkert. Bei unserer anschließenden Wanderung flussaufwärts entdeckten wir im Gögginger Wäldchen, einem Überbleibsel der ehemaligen Flussaue, etliche Frühjahrsblüher. Für deren Bestimmung eignet sich hervorragend die App „Flora incognita“, und so waren zum Beispiel Buschwindröschen, Geflecktes Lungenkraut und Wald-Veilchen rasch und eindeutig erkannt. Die feuchte Witterung lockte auch zahlreiche Weinbergschnecken aus ihren Häuschen, bei denen man eine interessante Beobachtung machen kann: So unterschiedlich die schön gefärbten Schneckengehäuse sind, so besitzen sie eine Gemeinsamkeit - ihre Windung ist praktisch immer rechtsdrehend, also von der Mitte aus gesehen im Uhrzeigersinn. Doch jede ca. 40.000ste Weinbergschnecke besitzt ein linksdrehendes Gehäuse, man nennt diese auch „Schneckenkönige“. Heute waren aber leider nur deren Untertanen im Wald unterwegs. Weiteres Wissenswertes erfuhren wir unter anderem zum gegenwärtigen Waldumbau, zu den Nist- und Brutunterstützungen der Wald- und Wasservögel und zum Renaturierungsprojekt „Wertach Vital“, mit welchem der einstige Alpenwildfluss immerhin teilweise wiederhergestellt werden soll. Fachkundige Erläuterungen gab es dazu von Prof. Hans Frei, einstmaliger Naturschutzreferent der Sektion, der uns anhand seines Kartenmaterials die kulturhistorische Entwicklung des Flusses und auch dessen Geologie verdeutlichte. An der Gögginger Wertachbrücke machten wir die Spuren des Bibers aus, und ein brütendes Blässhuhn thronte in Ufernähe auf seinem aufwändig gebauten Nest. Weiter flussaufwärts gen Inningen gab es dann auch noch ein kleines Highlight: Es zeigte sich der bei uns seltene Bruchwasserläufer, ein eurasischer Vogel aus der Familie der Schnepfenvögel. Viele Ferngläser suchten eifrig die Wertach-Kiesbänke ab, manches konnte ihn erhaschen, angeblich oder eindeutig. Doch das Teleobjektiv von Klaus lieferte schließlich den amtlichen Fotobeweis!

Mit diesen schönen und vielfältigen Eindrücken begaben wir uns zurück zur Kulperhütte und ließen die Natur-Exkursion mit Speis & Trank und insbesondere einer warmen Stube ausklingen. Herzlichen Dank für den gelungenen und lehrreichen Tag an alle Beteiligten!

Von Jochen Cantner
Impressionen Natur Exkursion Wertach 1v3





















































Impressionen Natur Exkursion Wertach 2v3




















































Impressionen Natur Exkursion Wertach 3v3





















































Titelbild: Bruchwasserläufer auf der Wertach-Kiesbank, Foto: Klaus Blachut
Bildblock 1, 2 & 3: Impressionen der Natur-Exkursion am Augsburger Alpenfluss Wertach, Fotos: Jochen Cantner und Klaus Blachut