Grünten es braut sich etwas zusammenVor einiger Zeit wurde bekannt, dass am Grünten, dem sogenannten Wächter des Allgäus, eine „Berg-Welt“ entstehen soll. Zwei Wintersaisons standen die Lifte oberhalb von Rettenberg-Kranzegg still, nachdem die Betreibergesellschaft in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Nun wurden die Anlagen von der Oberallgäuer Unternehmerfamilie Hagenauer übernommen. Die neuen Eigentümer planen, die in die Jahre gekommenen Anlagen abzureißen und das Gebiet für eine Summe von rund 30 Millionen Euro zu modernisieren.

Vor kurzem wurden die Detailpläne der Öffentlichkeit vorgestellt. Unter dem Markennamen „Grünten Berg-Welt“ ist auf der Nordseite des Berges Einiges geplant. Komplett abgebaut werden demnach die bestehenden, in die Jahre gekommenen Schlepplifte und die Sesselbahn, die bisher nur im Winter liefen. Stattdessen soll es künftig auch einen Sommerbetrieb mit einer neuen Zehner-Kabinenbahn geben. Hinzu kommen eine Walderlebnisbahn sowie eine neue Gastronomie als Ersatz für die Grüntenhütte. Im Winter werden zusätzlich eine kuppelbare Sechser-Sesselbahn und ein Schlepplift Skifahrer und Snowboarder befördern. In diesem Zusammenhang soll die Beschneiungsanlage ausgebaut werden. Des Weiteren ist es eine spezielle Infrastruktur für Kinder vorgesehen (Spielplatz mit Streichelzoo und ein „Winter-Kinderland“).

Naturschützer werden angesichts dieser Pläne hellhörig

  • Der Deutsche Alpenverein in seiner Funktion als Naturschutzverband möchte den Sachverhalt überprüfen. Zentraler Aspekt dabei ist: Handelt es sich um eine Neu- oder nur um eine Weitererschließung? Neuerschließungen werden vom DAV grundsätzlich abgelehnt, wie sich im „Grundsatzprogramm zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung des Alpenraums sowie zum umweltgerechten Bergsport“ nachlesen lässt (verfügbar unter: https://www.alpenverein.de/natur/naturschutzverband/naturschutz-umweltschutz-grundsatzprogramm_aid_10269.html).
  • Unsere Partnerorganisation Freundeskreis Riedberger Horn hat schon Anfragen für ein „neues Betätigungsfeld“ erhalten, nachdem der Konfliktfall Riedberger Horn bzw. Alpenplan vom Tisch zu sein scheint. Die Gesetzesänderung im Landesentwicklungsprogramm steht zwar noch aus, aber eine „Party zur Rettung des Alpenplans“ hat vor kurzem stattgefunden. Bildet sich nun ein neuer „Freundeskreis Grünten“?
  • Die Gemeinde Rettenberg, zu der auch Kranzegg gehört, scheint hinsichtlich der Projektierung gespalten. Gegner drohen mit einem Bürgerbegehren, falls die Gemeinde kommunale Flächen für den Freizeitpark bereitstellt. Dazu gehören auch Alpbauern, auf deren Grund die „Berg-Welt“ eingerichtet werden soll. Vor allem der Sommerbetrieb und die Walderlebnisbahn stoßen auf Ablehnung.
  • Am weitesten in der Meinungsbildung ist der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN). Die Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu hat ein Positionspapier gegen den Ausbau erstellt. Unter dem Titel „Rettet den Wächter des Allgäus!“ werden Argumente gegen die Tourismusoffensive am Grünten angeführt. Hierzu zählen folgende Befürchtungen: Zunahme des Verkehrs und versiegelter Flächen durch einen Großparkplatz, negative Auswirkungen auf die Biodiversität im Gebiet und auf Schutzgebiete, Ausbau des Sommertourismus auf bisher ungekannte Dimension sowie Ausbau der Wintertourismus auf unvernünftig geringer Höhenlage. Das BN-Positionspapier mit detaillierten Informationen ist verfügbar unter: https://kempten.bund-naturschutz.de/fileadmin/kreisgruppen/kempten/Dokumente/Presse/Gr%C3%BCnten_BN-Gegenargumente_Ausbau_internet.pdf

Immerhin positiv

Wichtig ist den neuen Eigentümern am Grünten nach eigenen Angaben, dass die Kapazität insgesamt nicht erweitert wird. Es sollen also annähernd gleich viele Menschen wie bisher auf den Berg kommen. Um negative Auswirkungen für die Natur so gering wie möglich zu halten, sollen zahlreiche Trampelpfade zurückgebaut werden. Zudem sollen die neuen Anlagen nicht mehr mit Diesel, sondern mit einem Elektro-Antrieb laufen.

Bild: Der Grünten von der Westseite – es braut sich etwas zusammen. Foto: Dr. Jochen Cantner