Konfliktfall GrüntenDer geplante Bau neuer Bergbahnen am Grünten, dem Wächter des Allgäus, bewegt die Gemüter. Erst kürzlich gab es in der Augsburger Allgemeine Zeitung eine ganze Sonderseite dazu, in welcher unter der Headline „Wieviele Menschen verträgt der Grünten?“ die Argumente der Befürworter und der Gegner der Projektierung dargelegt wurden. Nun hat sich der DAV Hauptverein zum Thema geäußert.

Eine ausführliche Berichterstattung hatte unsere DAV-Sektion Augsburg bereits Mitte Juni publiziert, vgl. dazu nochmals unsere Newsmeldung unter: https://www.dav-augsburg.de/aav/verein-berichte/1152-neuerschliessung-am-gruenten Hier wiesen wir insbesondere auf die ablehnende Meinung des Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) hin.

Zwischenzeitlich gründete sich eine Bürgerinitiative „Rettet den Grünten“ in Sonthofen. Als Leitbild der Initiative wurden 15 Punkte vorgestellt, darunter Leitziele wie „Der Grünten darf kein Rummelplatz werden“, „Ein authentisches Bergerlebnis bewahren“ oder „Die traditionelle Alpwirtschaft weiterführen“. Begleitend dazu gibt es eine Online-Petition #rettetdengruenten. Die Gemeinde Rettenbergen und die IHK Schwaben dagegen befürworten die Umbaupläne der Unternehmerfamilie Hagenauer, die nach allen Seiten Gesprächsbereitschaft signalisiert hat. Die Befürworter des Grünten-Projekts haben ebenfalls eine Bürgerinitiative gegründet: „Zukunft Grünten – Wir für den Berg“ heißt der Zusammenschluss.

Jetzt hat sich auch der DAV Hauptverein in seiner Eigenschaft als Naturschutzverband positioniert. Der DAV lehnt das Vorhaben nicht kategorisch ab, sieht es jedoch in mehreren Punkten sehr kritisch:

  • Nach den Planungen der Unternehmerfamilie Hagenauer soll das bestehende, seit zwei Jahren allerdings stillgelegte Skigebiet am Grünten umfassend modernisiert und für den Sommerbetrieb (Stichwort „Walderlebnisbahn“) ausgebaut werden. Geplante Investitionssumme rund 30 Millionen Euro. Der Deutsche Alpenverein steht diesen Planungen sehr kritisch gegenüber, auch wenn einige Aspekte des Vorhabens positiv zu bewerten sind. Fest steht, dass das betroffene Areal nicht über das bereits erschlossene Gebiet hinausreichen wird. Im oberen Teil soll es sogar mit dem Abbau des Gipfelliftes eine Verkleinerung der Pistenfläche geben. Somit ist die geplante Erschließung am Grünten nicht mit den ursprünglichen Plänen einer Skigebietsverbindung am Riedberger Horn zu vergleichen, die ja bekanntlich nicht mehr weiter verfolgt werden.
  • Aus Sicht des DAV ist die geplante Walderlebnisbahn eine Infrastruktur, die nicht in einer Bergregion gebaut werden sollte. Erlebnisinstallationen dieser Art in den Bergen, bei denen die Landschaft zur Kulisse wird, lehnt der DAV ab. Doch gerade auf diese Anlage setzt die Unternehmerfamilie. Vor allem sie soll den erhofften Gewinn des gesamten Erschließungsvorhabens erwirtschaften. Sehr kritisch sieht der DAV den Ausbau des Winterskibetriebes incl. dem Ausbau der technischen Beschneiung mit Bau oder Erweiterung eines Beschneiungsteichs in einer Höhenlage von dann maximal 1500 Metern über dem Meer. Dies v.a. angesichts der zu erwartenden weiteren Klimaerwärmung, noch dazu an einem Berg, der den milden Westwinden besonders ausgesetzt ist. Auch die geplante Vergrößerung des Parkplatzes verbunden mit dem dann deutlich erhöhten Verkehrsaufkommen, in einer Zeit, in der CO2-Reduktion ganz oben auf Tagesordnung steht, kann der DAV nicht mittragen.
  • Mit Sorge sieht der DAV, dass mit der „Grünten-Bergwelt“ analog zur „Alpsee-Bergwelt“ – einem nahegelegenen Liftgebiet mit ähnlicher Erlebnisinstallation, die von derselben Unternehmerfamilie betrieben wird – ein weiteres spektakuläres Angebot insbesondere für Tagestouristen aus dem süddeutschen Raum geschaffen werden soll, dass die Ziele einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten touristischen Entwicklung konterkariert. Zumal bei der An- und Abreise der potentiellen Gäste ganz auf den Pkw-Verkehr gesetzt wird.
  • Positiv zu bewerten sind, dass ein Besucherlenkungskonzept gekoppelt mit Sanierung und Rückbau von Wegen und Pfaden Bestandteil der Planungen ist, dass in der Gastronomie verstärkt auf regionale Produkte und im Ganzen auf Familienfreundlichkeit gesetzt werden soll. Auch die alten Liftanlagen sollen abgebaut werden. Von Vorteil ist, dass die Unternehmer in der Region zu Hause sind und angeben, mit Natur und Landschaft sorgsam umgehen zu wollen. Sie versichern, dass – sollte das Vorhaben realisiert werden – Skitourengeher, Wanderer, Kletterer, Mountainbiker und alle anderen Bergsportlerinnen und Bergsportler am Grünten weiterhin willkommen sind. Dass der Grünten als attraktives Zielgebiet für naturnahen Bergsport erhalten bleibt, ist dem DAV besonders wichtig.

Weitere Informationen zur DAV-Position unter: https://www.alpenverein.de/natur/gruenten-dav-kritisiert-ausbau_aid_33833.html

In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass der Grünten in das bewährte DAV-Konzept „Natürlich auf Tour“ integriert werden soll. Erst vor kurzem gab es dazu eine Gesprächs- und Abstimmungsrunde mit den beteiligten Kreisen im Landratsamt Sonthofen, dabei unter der Federführung des DAV, der naturschutzfachlichen Gebietsbetreuung und der Regierung von Schwaben. Diskutiert wurde der Entwurf eines Managementplanes für das Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen.

Weitere Informationen zum DAV-Konzept „Natürlich auf Tour“ unter: https://www.alpenverein.de/Natur/Naturvertraeglicher-Bergsport/Natuerlich-auf-Tour/

Bild: Konfliktfall Grünten © CEphoto, Uwe Aranas, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37528015