NATour 2019 TitelbildAls zweite der „Besonderen Touren“ im DAV-Jubiläumsjahr 2019 veranstalteten wir mit der NATour eine bergsportliche Exkursion in die alpine Flora und Fauna. Dieses neue Tourenformat, welches Bergsportliches mit Naturfachlichem verbindet, wurde vergangenes Jahr vom Ressort „Natur, Umwelt, Kultur“ zusammen mit der Bergsportabteilung zunächst als Pilotprojekt erprobt und dieses Jahr im Regelbetrieb für unsere Sektion angeboten.

Die NATour fand Anfang Juli statt und führte uns – so wie bereits die UMWELTour eine Woche zuvor – nach Garmisch Partenkirchen. Diesmal konnten wir das neue Carsharing-Konzept unserer DAV-Sektion testen, welches unlängst ins Leben gerufen wurde, um unsere alten und teilweise ausgedienten Sektionsbusse zu ersetzen in Hinblick auf eine umweltfreundlichere Mobilität. Auf dem Programm unserer Tour stand „Vielfalt am Schachen – Alpengarten, Königtum und raue Berge“.

  • Der Schachen ist ein Aussichtspunkt im rauen Wettersteingebirge. Er liegt 1.870 m hoch und im Naturschutzgebiet Schachen und Reintal. Auf dem Schachen befinden sich die bewirtschaftete Schachenhütte, das Königshaus sowie ein Alpengarten.

Unser Aufstieg erfolgte zunächst durch die Partnachklamm. Hier konnten wir die Morgenkühle genießen und einige Wasserspritzer zur Erfrischung nutzen.

  • Die sehenswerte und berühmte „Partnachklamm“ ist etwa 700 m lang, ihre Wände steigen bis zu 80 m empor. Durch in den Fels gesprengte Stollen und Durchgänge ist sie ganzjährig begehbar. Der Name der Partnach setzt sich aus dem indogermanischen „portn“ (Pforte) und dem althochdeutschen „aha“ (Ache - Wasserlauf) zusammen. Die Erschließung der Klamm diente der Holzwirtschaft zum einfacheren Abtransport der Baumstämme. Dies geschah 1886 durch das Anlegen eines Triftsteigs. Dies waren mit Holzbohlen belegte Eisenträger, die knapp über dem Wasser in die Felswände getrieben wurden. Bereits 1912 wurde die Klamm zum Naturdenkmal erklärt und 2006 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung als Nationales Geotop ausgezeichnet.

Weiter ging es in Richtung Oberreintal und bald hinüber zum Teufelsgsaß, wo der Weg recht anspruchsvoll ist, teilweise ausgesetzt mit Seilsicherungen. Dem schenkten wir aber kaum Beachtung, war doch die Umgebung übersäht mit Alpenblumen in großer Pracht und Vielfalt. Was konnte uns der Alpengarten auf dem Schachen da noch bieten? Nach gut 4 Stunden Aufstieg kamen wir oben an und konnten doch etliches Neues entdecken!

  • Seit über 100 Jahren unterhält der Botanische Garten München Nymphenburg die Außenstation „Alpengarten auf dem Schachen“. Die Lage auf 1.860 m Höhe (subalpine Höhenstufe: Krummholzstufe) ermöglicht die Kultur von über 1.000 Pflanzenarten aus den verschiedensten Hochgebirgen, von den heimischen Alpen bis zum fernen Himalaja. Auf dem Schachen gibt es zudem eines der größten zusammenhängenden Vorkommen der Zirbelkiefer, dem Charakterbaum der Zentralalpen. Demgemäß kann man auf dem Schachen auch entsprechend viele Tannenhäher beobachten, die sich gerne von den Zirbelsamen ernähren. Zudem kommt der Alpensalamander am Schachen ebenfalls häufig vor. Der rund 2 Hektar große Garten wird in der Sommersaison durchweg von zwei Gärtnern*innen betreut, wobei Einritts- und Führungsgelder für eine gewisse Refinanzierung sorgen.

So bekamen wir auch eine kompetente Führung der Reviergärtnerin und Botanikexpertin Jenny Wainright-Klein, die uns über die Pflanzenarten und ihre Besonderheiten, die Pflege sowie über laufende Forschungsprojekte gerade im Hinblick auf den Klimawandel informierte. Besonderer Augenmerk waren der blaue Himalaya-Mohn und dann natürlich die Zirbelnuss, welche im Augsburger Stadtwappen als „Stadtpyr“ wiederzufinden ist.

Im Weiteren besuchten wir das Königshaus auf dem Schachen. Die aufschlussreiche Führung erfolgte durch ein Team der Bayerischen Schlösserverwaltung. Animiert durch den blauen Mohn waren wir besonders gespannt auf den geheimnisvollen „Türkischen Saal“! Dessen prachtvollen Anblick müssen wir nun in Erinnerung behalten, denn Fotografieren im Königshaus war leider untersagt.

  • Das „Königshaus am Schachen“, auch Jagdschloss/-schlösschen, wurde einst von König Ludwig II. errichtet. Es diente dem König dazu, das Hochgebirge mit allem Komfort genießen zu können. Im Äußeren folgt das Königshaus dem Typus des „Schweizerhauses“ aus Holz, welches im 19. Jahrhundert bei Adel und reichen Bürgern als Ferienhaus beliebt war. Die Raumaufteilung mit einem zentralen Salon entspricht großbürgerlichen französischen Villen dieser Zeit. Im Obergeschoss dagegen herrscht orientalische Pracht: Hier erstreckt sich der Türkische Saal. Dieser ist einem historischen Saal im Palast von Eyüp nachempfunden, den Sultan Selim III. Ende des 18. Jahrhunderts hatte einrichten lassen. Eine Abbildung des Saals hatte Ludwig II., der sich ausgiebig mit den Kulturen des Orients beschäftigte, in einer englischen Publikation von 1840 gefunden. Vergoldete, reich ornamentierte Wände, ein zentraler Springbrunnen, aufwendig bestickte Hocker und Divane, ein kostbarer Teppich, üppig verzierte Accessoires wie Räucherpfannen und Kandelaber, durch große Glasfenster mit buntem Ornament beleuchtet, fügen sich zum perfekten Abbild eines orientalischen Prunksaals. – Ein interessanter Kontrast zum schlichten Außenbild des Königshauses und der rauen Bergwelt!

Letztere wollten wir am Folgetag erkunden. Dazu diente die Verpflegung und Übernachtung auf dem Schachenhaus. Doch aus der rauen Bergwelt wurde leider nichts. Das Wetter war instabil, in der Nacht regnete es. Und am nächsten Tag zogen weitere Unwetterwolken auf. So mussten wir mit bergsteigerischer Umsicht und Vernunft, aber schweren Herzens auf den geplanten Aufstieg zur Meilerhütte (2.366 m), Törlspitze (2.427 m) und der Partnacher Dreitorspitze (2.633 m) verzichten. Wie gefährlich eine Schlechtwetterlage in diesem Gebiet ist, konnte man einige Zeit später aus der Presse erfahren: So stürzte ein einheimischer Bergwanderer auf feuchtem Weg vom Schachen zur Meilerhütte über 100 Meter in den Tod. Und am Leutascher Platt unterhalb der Dreitorspitze verunglückte ein Kleinflugzeug im dichten Nebel, ebenfalls mit tödlichem Ausgang.

Unser Rückzug und -marsch erfolgte auf dem „Königsweg“ und dann hinab über den Kälbersteig. Dabei ließen wir das schlechte Wetter hinter uns und gelangten weitgehend trocken und in bester Stimmung zur Partnachklamm und dann weiter hinunter nach Garmisch-Partenkirchen. Als „Alternativprogramm“ besuchten wir bei der Rückfahrt die Schaukäserei Ammergauer Alpen in Ettal, ließen uns dort Milch, Cappuccino und Käsekuchen schmecken. Und stimmten uns somit auf die dritte der „Besonderen Touren“ ein: Die KULTour in die Hindelanger Alpwirtschaft („Rund um die Alp – Kühe, Menschen, Berge“), welche dann Anfang August erfolgen sollte.

Fazit: Eine gelungene NATour 2019, auch wenn das Wetter nicht ganz mitspielte. Den interessierten Teilnehmern*innen und Unterstützern sei herzlich gedankt! Und: Dreitorspitze, wir kommen wieder!

Weitere Informationen:

Abschließend noch einige Bildimpressionen zur NATour 2019:

NATour 2019 Bildblock 1NATour 2019 Bildblock 2NATour 2019 Bildblock 3NATour 2019 Bildblock 4NATour 2019 Bildblock 5NATour 2019 Bildblock 6Titelbild: NATour 2019 – Abendstimmung am Schachen, mit künstlerischer Note. © Eva Ritter

Bildblock 1: Anfahrt und Aufstieg zum Schachen

Bildblock 2: Führung durch den Alpengarten

Bildblock 3: „Walking on the Mohn“ ;-)

Bildblock 4: Alles über die Zirbelkiefer

Bildblock 5: Königsschloss und Schachenhaus

Bildblock 6: Feuchter Abschied

Alle Fotos von Dr. Jochen Cantner, Tanja Mögel, Eva Ritter und Peter Wohhüter