gaensegeier werth AusschnittFür die im Juni durchgeführte Online-Umfrage des LBV zur Rückkehr großer Greifvögel in den Alpen, so der Bart- und Gänsegeier, liegen nun die Ergebnisse vor. Auch der DAV-Bundesverband hatte für eine Teilnahme geworben.

Weltweit nehmen Geierbestände in vielen Regionen dramatisch ab, auch wegen gezielter Vergiftung. Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) möchte den Schutz der europäischen Geier aktiv unterstützen und verbessern. Es ist also davon auszugehen, dass in Zukunft noch häufiger als bisher Geier über dem Freistaat kreisen werden. Als Teil einer Machbarkeitsstudie hatte der LBV eine Online-Umfrage gestartet: Wieviel ist eigentlich über Geier bekannt in Deutschland? Gibt es Vorbehalte gegenüber dem Geier und seiner Rückkehr in Bayern? Ziel der Umfrage war es, die Einstellung der bayerischen Bevölkerung zu Geiern abzufragen, um gezielte Öffentlichkeitsarbeit und spezifische Schutzmaßnahmen durchführen zu können.

Nun liegen die Ergebnisse vor:

  • Bei der bayernweiten Umfrage beteiligten sich rund 1.300 Personen. Eine überwältigende Mehrheit der Antwortenden zeigt sich sehr aufgeschlossen gegenüber Geiern. Über 90 Prozent gaben dabei an, sowohl dem Bart- als auch dem Gänsegeier positiv gegenüber eingestellt zu sein. Lediglich zwei Prozent gaben an, in möglichen Geiergebieten mit einem unangenehmen Gefühl unterwegs zu sein.
  • Wie groß das Interesse der Bayern an Geiern ist, zeigt auch die Tatsache, dass knapp drei Viertel der Befragten gezielt in Bergregionen zum Urlaub fahren würden, wo Geier wiederangesiedelt oder freigelassen werden würden. „Bemühungen des LBV, dem Bartgeier eine Rückkehr nach Deutschland zu ermöglichen, würden also auch direkt dem Tourismus und somit den dortigen Gemeinden zugutekommen“, erklärt der LBV-Vorsitzende Dr. Nobert Schäffer.
  • Zahlreiche Teilnehmer der Umfrage sehen auch praktische Vorteile von Geiern im Freistaat: Gefallenes Wild und Nutztiere könnten Verwertung finden und müssten nicht über weite Wege, zum Teil mit dem Hubschrauber, abtransportiert und so der Natur entzogen werden. Für viele Befragte ist der Bartgeier auch direkt mit der Biodiversität in den Alpen verbunden. Sein Schicksal der Ausrottung und eine erfolgreiche Wiederansiedlung stünde somit auch symptomatisch für den Artenschutz in den Alpen. Dazu werden die Vögel als „Hauch von Wildnis“ und Teil eines intakten Ökosystems gesehen.
  • Den wenigen geäußerten Bedenken im Zusammenhang mit einer Rückkehr des Bartgeiers und eine damit verbundene Angst vor Schäden bei Nutztieren auf Almflächen, wie Schafe oder Ziegen, möchte der LBV mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit unter Einbindung der lokalen Landnutzer begegnen. „Wir wollen Vorurteile abbauen. Geier sind nämlich völlig harmlos, weil sie auf Aas spezialisiert sind. Sie fressen Kadaver und töten keine lebendigen Tiere“, weiß der LBV-Geierexperte Henning Werth. Werth ist auch Gebietsbetreuer in den Allgäuer Hochalpen, wo er im Laufe dieses Jahres mehrfach längere Einflüge von österreichischen Bartgeiern beobachten konnte. Dabei ist der LBV auch auf Unterstützung aus der Bevölkerung angewiesen. „Wer einen Geier sieht, soll diesen in jedem Fall fotografieren und dem LBV melden“, ruft der Biologe auf. E-Mailadresse für Meldungen: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Gerade auch in der Region der Augsburger Hütte vermutet Henning Werth, der unsere diesjährige KULTour in die Hindelanger Alpwirtschaft unterstützt hat, ein verstärktes Geieraufkommen. Also Augen auf beim Besuch der Lechtaler Alpen und beim Aufstieg zu unserer Hütte! Sie hat noch bis 21. September offen.

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Bild: Gänsegeier. © Henning Werth