Aufbäumen TitelbildDie Klimakrise trifft die Wälder verschiedener Regionen Bayerns und Deutschlands sehr hart. Vor allem die Nadelbaumarten Kiefer und Fichte leiden unter den zunehmenden Klimaextremen Hitze, Trockenheit und Stürme. Unsere Partnerorganisation „Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) spricht in diesem Zusammenhang vom „Waldsterben 2.0“. Angesichts der dramatischen Ausmaße, die das Sterben von Bäumen und teilweise ganzer Wälder in verschiedenen Waldgebieten Bayerns angenommen hat, fordert der BN die Politik auf, endlich das Klima wirkungsvoll zu schützen. Zu den probaten Maßnahmen gehört insbesondere der Waldumbau von Nadelforsten zu klimaresistenten Laubmischwäldern, die im Weiteren als CO2-Speicher fungieren. Und in den Bergen gilt es, den Schutzwald zu erhalten und zu erweitern. Der Schutzwald hält Steinschlag, Felsstürze, Muren und Lawinen von den Tallagen fern. Gleichzeitig ist er wichtig für das Trinkwasser und bietet Tieren und Pflanzen Lebensraum.

Für entsprechende Maßnahmen, sprich „Aufbäumen!“, ist auch ehrenamtlicher Einsatz unabdingbar. In diesem Zusammenhang bieten viele Naturschutzorganisationen entsprechende Projektierungen mit Bürgerbeteiligung an. Dazu gehört die DAV-„Aktion Schutzwald“, bei der freiwillige, einwöchige Arbeitseinsätze im alpinen Schutzwald– von Oberstaufen im Allgäu über Bad Tölz bis nach Berchtesgaden – angeboten werden. Bundesweit und auch international aktiv ist Bergwaldprojekt e.V. mit Sitz in Würzburg. Zweck des Vereins ist der Schutz, der Erhalt und die Pflege des Waldes, insbesondere des Bergwaldes und der Kulturlandschaften, sowie die Förderung des Verständnisses für die Zusammenhänge in der Natur, die Belange des Waldes und die Abhängigkeit des Menschen von diesen Lebensgrundlagen. Zu den Aktionen gehören auch eintägige Veranstaltungen wie die „Neihaufeschte“ in verschieden Regionen in Deutschland. Und im regionalen Bereich sei etwa auf unseren Kooperationspartner Netzwerk Augsburg für Naturschutz und Umweltbildung – NANU! e.V. hingewiesen, der zusammen mit Sponsoren und Unterstützern entsprechende Waldpflanzaktionen in Augsburg und Umgebung organisiert und durchführt.

NUK-Team hilft mit beim Bäume pflanzen

Auch unsere DAV-Sektion Augsburg möchte einen Beitrag zum Klimaschutz und speziell zum „Aufbäumen!“ leisten. Dies korrespondiert unmittelbar mit der erst kürzlich verabschiedeten DAV-Klimaresolution. Dazu hat sich das neugebildete NUK-Team (ein Team an Unterstützern*innen quer durch die Sektion, welches tatkräftig bei der Weiterentwicklung des Ressorts „Natur, Umwelt, Kultur“ mitwirkt) vor kurzem an zwei Waldpflanzaktionen und gleichsam NUK-Aktionen beteiligt.

(1) Waldpflanzaktion in Kreppen/Schlipsheim mit NANU!

Zusammen mit der StadtZeitung und Direktwerbung Bayern veranstaltete NANU! am 31.10.2019 eine Waldpflanzaktion in Kreppen/Schlipsheim mit Stützpunkt „Umweltzentrum Schmuttertal“. Dort hatte im Jahr 2013 ein örtlicher Tornado ein ganzes Waldgebiet dem Erdboden gleichgemacht. Die Wiederaufforstung mit klimaresistentem Mischwald ist nach wie vor im Gange. Im Rahmen der Aktion mit Beteiligung unseres NUK-Teams galt es, den Südhang des Gebiets mit der speziellen Baumsorte „Elsbeere“ zu bepflanzen. Sie hat geringe Ansprüche an Boden und Wasserzufuhr und wird bis zu 300 Jahre alt und dabei 30 Meter hoch. Eine fröhliche Pflanzergruppe von rund 30 Helfern in allen Altersklassen schaffte es, unter fachkundiger Anleitung der NANU!-Vorsitzenden Anna Röder, des Revierförsters Thomas Miehler sowie des Forstwirtschaftsexperten Josef Guggemoos innerhalb weniger Stunden 300 Setzlinge der Elsbeere in den vorbereiteten Waldboden zu pflanzen und mit neuartigen, wiederverwendbaren Schutzhüllen zu versehen. Die patentierte „Wuchshülle SG“ bewahrt die jungen Bäume vor Fressfeinden und wirkt gleichsam als Gewächshaus, indem Wind & Wetter abgehalten und ein optimales Mikroklima zum An- und Aufwachsen geschaffen wird. Die Schutzhüllen werden nach 1-2 Jahren abgenommen und kommen andernorts wieder zum Einsatz. Man darf gespannt sein, wie das neubepflanzte Waldstück in ein paar Jahren aussehen wird!

(2) Waldpflanzaktion im Gunzesrieder Tal mit Bergwaldprojekt e.V.

Die hohen Temperaturen in den vergangenen Sommern und die damit verursachte Trockenheit führte auch im Gunzesrieder Tal dazu, dass der Altbestand der Wälder von Schadinsekten wie z.B. dem Borkenkäfer stark befallen wurde. Insbesondere Fichten- und Kiefernmonokulturen sind gefährdet, aus denen mehr als die Hälfte der deutschen Wälder besteht. Hiervon sind fast 200.000 ha des Waldbestands betroffen. Zur Waldpflanzaktion „Neihaufeschte“ am 9.11.2019 traf man sich am Parkplatz unterhalb unserer sektionseigenen Otto-Schwegler-Hütte. Von dort aus brachte der Veranstalter Bergwaldprojekt e.V. mehr als 50 „Aufbäumer“, darunter auch sechs Wagemutige aus unserem NUK-Team, an den vorweihnachtlich verschneiten Einsatzort. Dort ging es nach kurzer Einweisung an die Arbeit. In Zweier-Teams, bewaffnet mit der Wiedehopfhacke, pflanzte man die ersten zarten Bäumchen. Es sollte ein Mischwald werden. Dabei zunächst unsicher, ob es die richtige Sorte war: Vogelbeere für den Rand, Eiche, Bergahorn, Fichte oder die tiefwurzelnde Schatten liebende Weißtanne. Und unsicher, ob das Pflanzloch tief genug, die Erde fest genug angedrückt war – aber nicht zu fest, deshalb nur mit den Händen, nicht mit den Füssen einstampfen. Allmählich fanden so insgesamt 1.065 Jungbäume aus der Baumschule auf einer Fläche von 0,4 ha ein neues, passgenaues Zuhause. Gut, dass die farbigen Pfosten Orientierung gaben und die Einsatzleiter im Weiteren für Tipps und Fragen zur Seite standen: Ahorn ist auch ohne Blätter am Kreuzstand der Zweige erkennbar, im Gegensatz zur Eiche mit der wechselständigen Blattanordnung. Gegen Mittag besuchte Christof Endreß, der Bürgermeister der Gemeinde Blaichach, die Aufbäumer-Truppe, um für deren Einsatz zu danken. Schmutz und Kälte kamen den Pflanzern erst zur Pause ins Bewusstsein, aber immerhin bei heißem Tee und Kaffee, Brezen, Käse und veganem „Chili sin carne“. Ein großer Dank an die hervorragende „Feldküche“ der Gastgeber! Zum Abschluss der Aktion sorgten die Aufbäumer noch für den Schutz der Bäumchen: spezielle Bambusstäbe wurden als Markierung für die forstlichen Waldpfleger gesetzt, wenn sie später bei Weißtanne, Fichte und Buche den Zwischenbewuchs ausmähen. Gegen Wildtierverbiss wurde verflüssigte Schafwolle gespritzt, was vor allem den Rehen den Appetit auf zarte Pflanzspitzen verderben soll. Ahorn ist bei jungen Rehböcken beliebt, um sich zwischen den Hörnern zu schaben – dagegen wurden kantige Akazienstangen dicht neben die Bäumchen gesetzt.

Mit diesen umfänglichen Maßnahmen hat auch unser NUK-Team einen „kleinen Beitrag“ zum Klima- und Waldschutz geleistet, wenn auch erst in 15-20 Jahren sicht- und vielleicht spürbar. Zudem: Wälder, insbesondere Bergwälder, sind ein hervorragender Wasserspeicher, den es zu pflegen und zu schützen gilt. Packen wir`s an – aufbäumen, nei hau feschte!

Nachstehend einige Bildimpressionen der beiden NUK-Aktionen beim „Aufbäumen!“:

Aufbäumen Bildbock 1Aufbäumen Bildbock 2Aufbäumen Bildbock 3Aufbäumen Bildbock 4Aufbäumen Bildbock 5Weitere Informationen:

Titelbild: „Aufbäumen!“ – NUK-Team im Gunzesrieder Tal. Foto: Hanne Cornils

Bildblock 1 & 2: Waldpflanzaktion in Kreppen/Schlipsheim. Fotos: Dr. Jochen Cantner, Beate Gang und StadtZeitung

Bildblock 3 bis 5: Waldpflanzaktion im Gunzesrieder Tal. Fotos (& Bericht): Hanne Cornils, Thomas Hecht und Dr. Gabriela Ratz