Jubiläum Prof. Bätzing TitelbildUnlängst fand im Alpinen Museum des DAV eine Festveranstaltung zum 70. Geburtstag des weithin bekannten Alpenforschers Prof. Dr. Werner Bätzing statt. Der emeritierte Professor für Kulturgeographie beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit aktuellen Entwicklungsprozessen in den Alpen. Seine beruflichen Stationen führten ihn an die Universitäten in Berlin, Bern und schließlich an die Friedrich-Alexander-Universität ans Institut für Geographie in Erlangen. Seit seiner Emeritierung im Jahr 2014 setzt er seine Analysen im Rahmen des „Archivs für integrative Alpenforschung“ fort. Im Zentrum stehen bei ihm die Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt, ohne die man die Alpen wohl nicht angemessen verstehen kann.

Die Festveranstaltung, eröffnet von Rudi Erlacher (Vizepräsident des DAV 2015-2019, Vorstand Verein zum Schutz der Bergwelt) und moderiert von Ernst Voigt (Bayerischer Rundfunk), bot drei Fachvorträge, ein Streitgespräch sowie musikalische Unterhaltung.

Unter der Überschrift „Warum die Alpen?“ referierte der Jubilar Prof. Dr. Werner Bätzing über seinen gipfelreichen Werdegang. Pfarrerssohn, Theologiestudium und Religionslehrer, danach Lehre und Tätigkeiten als Buchhändler, -hersteller und Lektor, nebenbei Gewerkschaftler, sodann Publizistik, Studium und Wissenschaft in den Bereichen Philosophie und Geographie und schließlich integrative Alpenforschung –  das sind die Höhenstufen. Schon früh von den Alpen fasziniert, suchte er dort nach „terra incognita“, was er südlich vom Montblanc noch fand. Zu Fuß, mit Zelt und „sehr viel Neugier“ erkundete er Land & Leute und erlebte dabei den „Spannungsbogen Natur – Mensch“, Gegenstand seiner Doktorarbeit und seines weiteren wissenschaftlichen und publizistischen Wirkens. Darum die Alpen!

Co-Referate zum Besten gaben Dr. Stefan Bollmann (Verlag C.H. Beck) mit „Lesen mit den Füßen - über Werner Bätzing“ und Dr. Gerhard Fitzthum (Philosoph, Reisejournalist und Wanderführer) mit „Orte des Maßhaltens – seit 40 Jahren kämpft Werner Bätzing gegen die Entwertung der Alpen“.

Im anschließenden Streitgespräch zum Thema „Tourismus in den Alpen – aktuelle Situation und Zukunftsperspektiven“ saßen sich Prof. Dr. Werner Bätzing, Rudi Erlacher und Peter Ries (ehemaliger Tourismus-Direktor Garmisch-Partenkirchen) gegenüber. Schlagwörter waren hier „Wachstumsspirale“ (d.h. der Zwang zum Wirtschaftswachstum), „Neue Märkte“ (so insbesondere mit Blick auf das Gästepotenzial aus China), „Instagramm-Kultur“ und „Overtourism“ (d.h. schneller, weiter, höher) und auch „Klimawandel“ (in den Alpen bereits unmittelbar erlebbar, sprich Gletscherschmelze, abtauender Permafrost und Bergabgänge) und „Energielandschaften“ (mit Blick auf den geplanten massiven Ausbau Erneuerbarer Energien im Alpenraum, sprich Sonnen-, Wind- und Wasserkraft) – welche allesamt die Konflikt- oder gar Dilemmasituation beim Nützen und Schützen der Alpen verdeutlichen, so auch die zentrale Herausforderung für uns DAV-ler.

Die Schlussfrage beim Streitgespräch lautete daher: „Wo stehen wir in den Alpen in 10 Jahren?“ Dazu gab Peter Ries zu Bedenken, dass Garmisch-Partenkirchen zu 65 % vom Alpentourismus leben würde. Dort müsse es also weitergehen, aber mit Qualitätstourismus. Rudi Erlacher warnte dagegen vor „Künstlichen Welten“. So würden beispielsweise Speicherseen, errichtet für die Pistenbeschneiung mit Kunstschnee, als „Seenwandergebiete“ beworben. Prof. Dr. Werner Bätzing stimmte dem bei: Ohne Trendbruch sei die Natur bald nicht mehr erkennbar. Er forderte ein verbindliches Erschließungsreglement durch die Alpenkonvention, die ja auch schon beim Verbot von neuen Autobahnen durch den Alpenraum erfolgreich war. Insofern bestünde Hoffnung auf eine Trendwende.

Für musikalische Auflockerung zwischendurch sorgte das Duo Winkler-Kloiber. Mit Quetschkommode und Gitarre boten sie virtuose alpine Instrumentalmusik, zum Abschluss der Veranstaltung aber auch hintersinnige Sangeseinlage: „Wenn der Berg kimmt ... dann brauchmer nimmer hinfahrn!“

Weitere Informationen zur Vita von Professor Werner Bätzing und zu seinem umfänglichen Schaffenswerk in den Themenbereichen „Alpen“, „Ländliche Räume“ und „Mensch-Umwelt-Geschichte“ unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_B%C3%A4tzing und https://www.geographie.nat.fau.de/person/werner-baetzing/

Vergleiche zudem unsere Newsmeldungen

Nachstehend noch einige Bildimpressionen von der überaus gelungenen und interessanten Festveranstaltung „Werner Bätzing – Alpen und Tourismus“:

Jubiläum Prof. Bätzing Bildblock 1Jubiläum Prof. Bätzing Bildblock 2Titelbild: Festveranstaltung „Werner Bätzing – Alpen und Tourismus“– Streitgespräch (v.l.n.r.: Rudi Erlacher, Prof. Dr. Werner Bätzing, Peter Ries)
Bildblock 1: Eröffnungs- und Fachvorträge (im Uhrzeiger: Rudi Erlacher, Prof. Dr. Werner Bätzing, Dr. Gerhard Fitzthum, Dr. Stefan Bollmann)
Bildblock 2: Streitgespräch und musikalische Auflockerung (Duo Winkler-Kloiber)
Alle Fotos von Dr. Jochen Cantner

Für den, der den vorliegenden Beitrag bis zum Schluss durchgelesen und/oder -gesehen hat, noch ein besonderes Schmankerl: Der DAV hat von der Festveranstaltung einen Livestream angefertigt, verfügbar unter: https://www.alpenverein.de/kultur/veranstaltungen-alpines-museum/werner-baetzing-alpen-und-tourismus_aid_33863.html bzw. https://www.youtube.com/watch?v=hP2BToRte98