Fachsymposium Insektensterben 1Vergangene Woche fand das „Internationale Fachsymposium: Insektenschwund – Wege aus der Krise“ im Schloss Nymphenburg in München statt. Die Tagung bildete den Abschluss des Schwerpunktjahres „InsektenVielfalt“ der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) und gab Ausblicke darauf, wie das erfolgreiche „Volkbegehren Artenvielfalt – Rettet die Bienen!“ respektive die angepasste Gesetzgebung im Weiteren umzusetzen ist.

Fachsymposium Insektensterben 2Im Auftaktvortrag widmete sich Alois Glück (Landtagsabgeordneter und Landtagspräsident a.D.), der bekanntermaßen die „Runden Tische“ beim Volksbegehren Artenvielfalt moderiert hat, der „Gemeinschaftsaufgabe Insektenschutz“. Nur durch ein zielgerichtetes Zusammenwirken seitens Naturschutz, Landwirtschaft und weiterer Einflussbereiche (Stichworte: Klimawandel, Waldsterben 2.0, übergeordneter Arten- und Biosmasseschwund) seien in der operativen Umsetzung des Volksbegehrens Erfolge zu erzielen. Hierbei sehe er ein großes Potenzial für Bildungsarbeit und Beratungsleistung. Zudem wären wechselseitiges Zuhören und Respekt erforderlich, wozu ein „neuer Blick“ auf die Landschaft, eine Wertschätzung der von den generellen Schuldzuweisungen frustrierten Landwirtschaft sowie ein Dialog mit der Gesellschaft gehören. Zu diesem Zweck findet am heutigen Montag (9.12.2019) ein weiterer „Runde Tisch“ statt. Man darf auf die Ergebnisse gespannt sein!

Die folgenden Fachvorträge und Posterbeiträge befassten sich mit Bestandstrends, Gefährdungsfaktoren und Maßnahmen zur Wiederherstellung von Artenhabitaten und -populationen. So stellten etwa Dr. Andreas Segerer und Dr. Andreas Fleischmann (Zoologische bzw. Botanische Staatssammlung München) fest, dass für das Artensterben gerade in Bayern als Hauptfaktoren Schadstoffeinträge in Form von Stickstoffverbindungen und Pestiziden sowie die intensive Landnutzung mit den negativen Effekten „Flächenfraß“ und „Habitatverinselung“ nachzuweisen sind. Erforderlich wären daher eine Extensivierung der Landwirtschaft sowie die Schaffung von „Biotopbrücken“, was auch seitens der Kommunen und Bürgerschaft zu leisten wäre. Bei den Posterbeiträgen wurde die Projektierung „Fichtensterben und Bekämpfen des Borkenkäfers“ der TU München mit dem 1. Preis ausgezeichnet.

In der abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Verbandsvertreter unter anderem über die Frage, wie eine echte Trendwende bei der Wiederherstellung der Artenvielfalt gelingen kann. Die Lage für Insekten ist ernst. Darüber waren sich die Diskutanten einig. Unterschiedliche Vorstellungen zeigten sich jedoch hinsichtlich der Umsetzung von Maßnahmen. „Bei den Bauern brodelt es“, stellte Martin Erhardsberger vom Bayerischen Bauernverband fest. Die Stimmung bei den Landwirten sei „ziemlich am Boden“. Es stimme nicht, dass Bauern grundsätzlich gegen strengere Umweltauflagen seien. Allerdings seien in letzter Zeit vom Einzelnen nicht mehr erfüllbare Gesetze verabschiedet worden. Zudem stünden die Ansprüche verschiedener Zielgruppen an Landwirte mitunter im Widerspruch. Die Naturschutzverbände kritisierten, dass viel Potenzial in der Umsetzung ausgebremst werde. Dies zeige zum Beispiel der Streit, wo genau Gewässerrandstreifen beginnen – an Böschungsoberkante oder Uferlinie. Die gegenwärtige Debatte um die Streuobstverordnung weise ähnliche Reibungspunkte auf. Weitgehende Einigkeit herrschte, dass Landwirte Planungssicherheit hinsichtlich der Zuwendungen und Vorschriften für Naturschutzleistungen brauchen. Wichtig seien außerdem faire Preise für landwirtschaftliche Produkte.

Weitere Informationen zum Schwerpunktjahr „InsektenVielfalt" der ANL unter: https://www.anl.bayern.de/projekte/insektenvielfalt/index.htm

Vergleiche zum Volksbegehren Artenvielfalt auch nochmals unsere Newsmeldungen – zuletzt vom vom 18.7.2019, verfügbar unter: https://www.dav-augsburg.de/aav/verein-berichte/1167-volksbegehren-artenvielfalt-gesetzesverabschiedung-im-kabinett

In diesem Zusammenhang und gemäß oben angesprochenem Bildungsauftrag seitens Alois Glück sei auf eine Buchreihe des Kosmos-Verlags hingewiesen, die sich unter der Überschrift „Wahre Schätze der Natur“ mit den angesprochen Themen aus dem Blickwinkel des Naturbeobachters befasst und eine interessante Lektüre bietet. Aus dieser Reihe seien die drei folgenden Werke vorgestellt:

(1) „Naturzeit Bienen

Wahre Schätze BienenEin ganz besonderer Naturführer über die faszinierende Lebensweise der Bienen: Dieser Band beschreibt das Sozialgefüge des Schwarms, skizziert biologische Grundlagen in gut lesbarer, unterhaltender Sprache und widmet sich der Kulturgeschichte der Biene und der Bienenhaltung von den Anfängen bis zu den Herausforderungen der Gegenwart. Friedrich Hainbuch erläutert zudem, was nachhaltiges Imkern bedeutet und wie der Mensch zur Gesundheit und Widerstandskraft des Schwarms beitragen kann.

Der Autor Prof. Dr. Friedrich Hainbuch studierte unter anderem Katholische Theologie, Philosophie und Medizin. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten und populärwissenschaftlicher Bücher. Als Hobby-Imker befasst er sich seit vielen Jahren mit der medizinischen Anwendung von Bienenprodukten und den Ursachen des weltweiten Bienensterbens.

1. Auflage 2019, Umschlag/Ausstattung: 30 Farbzeichnungen, 60 SW-Zeichnungen, 192 Seiten, EAN: 9783440160428, 20,00 € inkl. MwSt.

(2) „Naturzeit Vögel“

Wahre Schätze VögelEin ganz besonderer Naturführer über die 30 bekanntesten Vögel, zu denen wir Menschen eine ganz besondere Beziehung haben: Oft ist es deren Lebensweise, die uns Menschen fasziniert und um die sich Sagen und Brauchtum gebildet haben. Neben den Bestimmungsmerkmalen und detailreichen Zeichnungen werden besondere Geschichten, Begegnungen und der Bezug der jeweiligen Art zu uns Menschen unterhaltsam und emotional erzählt.

Der Ornithologe und Naturkenner Ulrich Schmid hat in seinem Buch alte Quellen und neueste Erkenntnisse zusammengetragen. Entstanden sind mitreißende Porträts bekannter und weniger bekannter Arten, die von Paschalis Dougalis‘ Zeichnungen wunderbar illustriert werden. Ein Buch, das die Welt der Vögel nochmal in ganz neuem Licht erscheinen lässt und für besondere Naturerlebnisse sorgt.

1. Auflage 2018, Umschlag/Ausstattung: 32 Farbzeichnungen, 35 SW-Zeichnungen, 240 Seiten, EAN: 9783440158708, 20,00 € inkl. MwSt.

(3) „Naturzeit Wald“

Wahre Schätze WaldEin ganz besonderer Naturführer über den Sehnsuchtsort Wald: Waldbaden und Waldkindergarten, Waldsterben und Abholzung – kaum ein Naturraum bewegt den Menschen so intensiv und emotional wie der Wald. Adriane Lochner behandelt in diesem „Naturzeit“-Band den Wald sowohl aus kulturgeschichtlicher wie aus forstwissenschaftlicher Perspektive. Sie führt ein in die Geschichte des Waldes, zeigt verschiedene Arten der Waldnutzung und erläutert Kreisläufe, Ökosysteme und Bedrohung. In gut lesbarer, unterhaltender Sprache erzählt sie, wie wir den Wald prägen und dieser uns.

Die Autorin Adriane Lochner ist promovierte Biologin und reist seit 2013 als freie Journalistin durch die Welt. Unterwegs schreibt sie über Themen aus Wissenschaft und Naturschutz unter anderem für „National Geographic Online“ und die „Süddeutsche Zeitung“. Über eigene Reiseerfahrungen und Outdoor-Themen bloggt sie auf www.globestories.com.

1. Auflage 2019, Umschlag/Ausstattung: 1 Farbfotos, 1 SW-Fotos, 30 Farbzeichnungen, 60 SW-Zeichnungen, 208 Seiten, EAN: 9783440164914, 20,00 € inkl. MwSt.

Weitere Informationen beim Kosmos-Verlag unter: https://www.kosmos.de/buecher/ratgeber/heimtiere/imkerei/10129/naturzeit-bienen

Titelbild: Internationale Fachsymposium: Insektenschwund – Wege aus der Krise. Foto: Dr. Jochen Cantner
Bild 1: Auftaktvortrag von Alois Glück. Foto: Dr. Jochen Cantner
Bild 2-4: Buchcover zu „Naturzeit Bienen“, „Naturzeit Vögel“ und „Naturzeit Wald“. © Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG