Nationale Wasserstoffstrategie Cover

Mitte Juni hat das Bundeskabinett die „Nationale Wasserstoffstrategie (NWS)“ beschlossen und ebnet damit den Weg für 38 Maßnahmen, die Deutschland unter anderem eine internationale Vorreiterrolle bei der Entwicklung und dem Export von Wasserstofftechnologien sichern sollen. Dank der vielen Verwendungsmöglichkeiten gilt Wasserstoff als ein bedeutendes Schlüsselelement der Energiewende. Wasserstoff ist entscheidend für die Dekarbonisierung wichtiger deutscher Kernbranchen, aber auch des Verkehrssektors. Insofern ein gewisser Lichtblick für eine klimaverträgliche Mobilität des DAV, wie sie für die Reisen zu unseren bergsportlichen Destinationen erforderlich ist.

Um Wasserstoff als Energieträger nutzen zu können, muss Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten werden. Dieser Prozess ist sehr energieintensiv. Umweltschonend und effizient ist die Wasserstofftechnologie daher nur dann, wenn man für den Spaltungsprozess, d.h. die Elektrolyse, Strom aus erneuerbaren Energien nutzt.

Die Meinungen zur „Nationale Wasserstoffstrategie (NWS)“ fallen jedoch gemischt aus. Euphorie auf der einen Seite, ein gewisses Maß an Skepsis andererseits:

  • Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Peter Altmaier: „Mit Wasserstoffstrategie stellen wir die Weichen dafür, dass Deutschland bei Wasserstofftechnologien die Nummer 1 in der Welt wird. Die Zeit für Wasserstoff und die dafür nötigen Technologien ist reif. Wir müssen daher jetzt die Potenziale für Wertschöpfung, Beschäftigung und den Klimaschutz erschließen und nutzen. Denn Wasserstoff wird ein Schlüsselrohstoff für eine erfolgreiche Energiewende sein. Er wird als Energieträger der Zukunft sowohl in Deutschland als auch weltweit einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten. Dabei wird Deutschland eine Vorreiterrolle einnehmen, wie wir es vor 20 Jahren bereits mit der Förderung der Erneuerbaren Energien getan haben.“
  • Bundesumweltministerin, Svenja Schulze: „Die Nationale Wasserstoffstrategie wird Deutschland doppelten Schub verleihen – für den Klimaschutz und für die nachhaltige Erholung unserer Wirtschaft nach der Corona-Krise. Grüner Wasserstoff bietet uns die Chance, Klimaschutz in den Bereichen voranzubringen, wo wir bisher noch keine Lösungen hatten, zum Beispiel in der Stahlindustrie oder im Flugverkehr. Das funktioniert, weil die Strategie vor allem auf die Förderung von „grünem Wasserstoff“ ausgerichtet ist. Dafür habe ich mich stark gemacht, denn gut fürs Klima ist auf Dauer nur Wasserstoff aus 100 Prozent erneuerbaren Energien. Klar ist damit auch: Wer Ja sagt zu Wasserstoff, muss auch Ja sagen zu Windenergie. Für grünen Wasserstoff brauchen wir zusätzlichen grünen Strom. Deswegen müssen und werden wir die erneuerbaren Energien konsequent ausbauen. Grüner Wasserstoff bietet die Chance, Klimaschutzmit nachhaltiger Industrie zu verbinden, also zukunftsfeste und krisenfeste Jobs zu schaffen.“
  • Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer: „Wir brauchen Wasserstoff auch im Verkehrsbereich! Mit unserer Wasserstoffstrategie geben wir den Unternehmen jetzt einen klaren Rahmen vor und machen Investitionsentscheidungen planbar. Mein Ministerium beschäftigt sich seit mehr als einem Jahrzehnt mit der Wasserstofftechnologie und hat über 700 Millionen Euro vor allem in die Forschung und Entwicklung investiert. Jetzt brauchen wir wirtschaftliche Projekte auf dem Markt. Wasserstoff muss für die Menschen erlebbar werden. Genau an dieser Stelle setzt die Strategie jetzt an und nimmt die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick – Technologie, Erzeugung, Speicherung, Infrastruktur und Anwendung in Fahrzeugen. Mit den HyLand-Projekten sind wir bereits dabei, in einzelnen Regionen die Wasserstofftechnologie von der Erzeugung bis zur Nutzung vor Ort aufzubauen. Das muss im nächsten Schritt jetzt bundesweit geschehen. Zusätzlich werden wir ein Wasserstoff-Anwendungs- und Technologie-Zentrum für die Zulieferindustrie sowie eine eigene Brennstoffzellproduktion in Deutschland unterstützen und aufbauen. Das bietet eine Zukunftsperspektive für die deutsche Fahrzeugindustrie und sichert viele Arbeitsplätze.“
  • Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek: „Zu einem Innovationsland gehört auch, ambitionierte Ziele für eine international wettbewerbsfähige Wasserstoffwirtschaft zu formulieren. Das ist uns mit der Nationalen Wasserstoffstrategie gelungen. Die langen Verhandlungen haben zu einem guten Ergebnis geführt. Grüner Wasserstoff ist der Energieträger der Zukunft. Wir wollen bei dieser Zukunftstechnologie vorne in der Welt dabei sein. Je früher und beherzter wir einsteigen, desto größer ist unsere Chance, dass der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft zu einem neuen Jobmotor in Deutschland wird. Mit der Verabschiedung der Strategie fällt nun der Startschuss für eine ebenso ambitionierte Umsetzung. Wir brauchen eine nachhaltige Energieversorgung aus erneuerbaren Energien, wenn wir bis 2050 klimaneutral sein wollen. Wir werden die Förderung von Forschung und Innovation zum Grünen Wasserstoff weiter intensivieren: von der Erzeugung, über Speicherung, Transport und Verteilung bis hin zur Anwendung. Bis 2023 stellen wir dafür zusätzlich 310 Millionen Euro zur Verfügung. Das wird uns Rückenwind geben, damit Deutschland um den Weltmeistertitel beim Grünen Wasserstoff erfolgreich mitspielen kann.“
  • Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller: „Der Klimawandel ist längst die Überlebensfrage der gesamten Menschheit. Mit der Wasserstoffstrategie machen wir einen Quantensprung hin zu CO2-neutralen, Kraftstoffen und damit zu einer globalen Energiewende. „Grüner“ Wasserstoff und seine Folgeprodukte wie Methanol können das saubere Öl von morgen werden. Vor allem Länder in Nordafrika sind geeignete Produktionsstandorte, da hier die Sonne nahezu unbegrenzt scheint. Gemeinsam mit Marokko entwickeln wir jetzt die erste industrielle Anlage für „Grünen Wasserstoff“ in Afrika. Damit schaffen wir dort Arbeitsplätze für die vielen jungen Menschen, stärken die Technologieführerschaft in Deutschland und helfen, die internationalen Klimaziele wirksam zu erreichen.“
  • GRÜNEN Fraktionsvorsitzender, Anton Hofreiter: „Mit über einem halben Jahr Verspätung legt die Bundesregierung nun endlich ihre Wasserstoffstrategie vor. Das ist überfällig, zu lange wurde die Branche in der Schwebe gelassen. Es kommt jetzt darauf an, dass die zahlreichen Prüfauftrage zum Beispiel für Quoten nun schnell umgesetzt werden. Nur so kann Deutschland Technologieführer in einer Zukunftsbranche werden. Die Voraussetzung dafür bildet eine Ausbauoffensive für zusätzliche Erneuerbare Energien, denn nur grüner Wasserstoff ist klimafreundlich. Hier muss die Bundesregierung nachbessern und den Wunschträumen der fossilen Gasbranche eine Absage erteilen. Außerdem muss klar sein, dass die Wasserstoffproduktion nicht zum Einfallstor für Kohlestrom wird. Grüner Wasserstoff ist daher nur dort sinnvoll, wo überschüssiger Strom aus Erneuerbaren Energien anfällt und es keine Nutzungskonkurrenzen gibt. Dafür braucht es eine intelligente Reduktion der Abgaben und Umlagen, damit Wasserstoff da und dort produziert wird, wo viel Erneuerbare Energie zur Verfügung steht. Erst dann kann die Wasserstoffwirtschaft einen Beitrag zu Klima- und Nachhaltigkeitszielen leisten."
  • Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): Die vom Bundeskabinett beschlossene Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) dient nicht dem Ziel, Deutschland schnellstmöglich in eine klimaneutrale Energieversorgung zu führen. Sie verstetigt einen hohen Energieverbrauch, indem sie zentrale Anforderungen an Energiesparen und Energieeffizienz außer Acht lässt, und führt das Land so in eine hohe Importabhängigkeit. Auch im Verkehr setzt die NWS falsche Prioritäten: Aufgrund des hohen Stromverbrauchs bei seiner Herstellung kann Wasserstoff immer nur die zweit- oder drittbeste Lösung nach der direkten Stromnutzung sein. Die NWS geht davon aus, dass die Wasserstoffnachfrage künftig weit über der nationalen Produktion liegen wird: 2030 demnach bei 90 bis 110 Terawattstunden (TWh – dies entspricht einer Milliarde Kilowattstunden). Erzeugt werden dann in Deutschland aber voraussichtlich nur 14 TW. Diese Lücke lässt sich aus Sicht des BUND nur verringern, indem durch einen deutlichen Ausbau der erneuerbaren Energien das Wasserstoffangebot erhöht und zugleich durch strikte Energieeffizienzvorgaben die Wasserstoffnachfrage reduziert wird. In ihrer jetzigen Fassung verschiebt die nationale Wasserstoffstrategie diese Herausforderungen auf andere Länder und setzt von vornherein auf internationale Importe.

Weitere Informationen:

Bild: Cover „Die Nationale Wasserstoffstrategie“. © Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)