NATURZERSTÖRUNG XXL
Im bislang unerschlossenen Längental in den Stubaier Alpen betätigen sich Bagger und Baufahrzeuge. Am Taleingang, bei Kühtai, soll eine mehr als 500 Meter lange und 100 Meter hohe Staumauer erbaut werden, dahinter soll ein Pumpspeichersee mit einem Volumen von 31 Mio m³ entstehen. Seit Mitte Juni steht dieses Szenario endgültig fest. Der Verwaltungsgerichtshof in Wien hat die Revision der Alpenvereine vom August 2019 gegen den Baubescheid abgelehnt. Unsere Partnerorganisation „Mountain Wilderness“ hat nun eine Protestaktion gegen das Projekt unternommen.

Die großflächige Zerstörung der alpinen Natur im Längental in den Stubaier Alpen wird im Gerichtsbeschluss durch das allgemeine öffentliche Interesse am Ausbau erneuerbarer Energien begründet. Der Deutsche Alpenverein merkt dazu an, dass ein solcher Ausbau inklusive Speichermöglichkeiten für das Erreichen der Klimaziele in Europa unabdingbar, dringend nötig und weiter voranzutreiben sei. Gleichzeitig müssen in dieser Entwicklung aber weitere Bedingungen erfüllt sein, um eine tatsächlich nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Dazu gehört vor allem ein verantwortungsvoller, für die Natur vertretbarer Ausbau von zukunftsweisenden Technologien. Naturverträglich und zukunftsweisend: Beides ist hier nicht gegeben. Einerseits ist der Eingriff in den Wasserhaushalt und in das ökologische Gleichgewicht eines Einzugsgebiets von mehr als 60 km² massiv und widerspricht der EU-Wasserrahmenrichtlinie und den völkerrechtlichen Vereinbarungen der Alpenkonvention zur nachhaltigen Entwicklung des Alpenraumes.

Andererseits werden Speichertechnologien derzeit mit Hochdruck weiterentwickelt. Es ist gut möglich, dass in naher Zukunft Pumpspeicherkraftwerke wie das bei Kühtai von weniger landschaftsverbrauchenden Speichermöglichkeiten abgelöst werden. Das Längental ist derweil für immer verloren. Das hat übrigens auch Auswirkungen auf eine wichtige Lebensgrundlage der einheimischen Bevölkerung. Denn mit dem neuen Speichersee schwinden die Chancen auf eine sanfte und nachhaltige Tourismusentwicklung in der Region noch mehr, als das durch die bestehende Infrastruktur ohnehin bereits der Fall ist. „Selbstverständlich akzeptieren wir diese höchstrichterliche Entscheidung“ sagt DAV-Vizepräsident Manfred Sailer. „Im Hinblick auf ein Gelingen der Energiewende halten wir diese Entscheidung trotzdem für falsch und appellieren an alle Verantwortlichen, bei zukünftigen Verfahren die Relation von Naturzerstörung und energetischem Nutzen im Auge zu haben.“

Die Protestaktion NATURZERSTÖRUNG XXL“ von Mountain Wilderness am vergangenen Freitag hatte zum Ziel, diese Bedenken nochmals augenfällig und vor Ort zu verdeutlichen. Doch nur mit bedingtem Erfolg, denn es klappte nicht wie gewünscht: „Eigentlich wollten wir am 17. Juli 2020 unser Riesentransparent mit Aufschrift „Was für eine S(t)auerei“ direkt im Längental aufhängen. Allerdings wurden wir nach wenigen Minuten von der unsäglichen Baustelle vertrieben. So fand unsere Trauerfeier für den Längental- und noch fünf weitere Wildbäche, die für immer ermordet werden, direkt am Taleingang statt“, so Michael Pröttel, Vorstandsvorsitzender von Mountain Wilderness Deutschland.

Sein Aufruf lautet nun: „Schickt eure Unmutsbekundungen gegen diese unglaubliche Naturzerstörung für ein Pumpspeicherwerk, das aus billigem Atomstrom mit geringem Wirkungsgrad teuren "Ökostrom" macht, an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!“.

Weitere Informationen und Bilder zur Protestaktion NATURZERSTÖRUNG XXL“ unter: https://www.mountainwilderness.de/

Weitere Information seitens DAV unter: https://www.alpenverein.de/der-dav/presse/presse-aktuell/kein-zurueck-mehr-pumpspeicherkraftwerk-bei-kuehtai-wird-gebaut_aid_35108.html und https://www.alpenverein.de/natur/die-bagger-rollen_aid_35051.html

Vergleiche in diesem Zusammenhang auch noch einmal unsere Informationen

Bild: NATURZERSTÖRUNG XXL. © Mountain Wilderness Deutschland