Nachlese Klimacamp TitelbildVor kurzem hat Dr. Michael Schneider, Partner unserer DAV-Sektion in der Umweltbildung, im Augsburger Klimacamp am Rathausplatz seine Analysen und Auswertungen zum Einfluss des Klimawandels auf Flora, Fauna und Lebensräume im Allgäu vorgestellt. Damit wurde deutlich, dass der Klimawandel kein abstraktes oder weit hergeholtes Problem ist, das sich vor allem anderorts bemerkbar machen wird. Die klimabedingten Veränderungen betreffen in zunehmendem Maße auch unsere Region und unsere Bergwelt. Der aktuelle „Klimaschutzbericht 2019“ verspricht immerhin ein bisschen Hoffnung.

(1) Augsburger Klimacamp

Die gut besuchte Vortragveranstaltung fand am 18. August 2020 nach Einbruch der Dunkelheit statt. Die jungen Aktivisten*innen vom Augsburger Klimacamp hatten dazu im überdachten Eingangsbereich des Rathauses Leinwand und Beamer installiert und zudem für großzügige Sitzgelegenheiten gesorgt, um den Corona-Anforderungen bestmöglich gerecht zu werden. Pünktlich um 21.30 Uhr begann Dr. Michael Schneider, der international renommierte Biologe und Allgäuexperte, mit seiner rund einstündigen Powerpoint-PräsentationKlimawandel – Einfluss auf Natur und Mensch im Allgäu“:

  • Unser Klima wird immer verrückter: Der heißeste, der stürmischste, der trockenste, der kälteste… Es vergeht kaum ein Monat ohne neuen Superlativ. Welche Folgen aber hat der Klimawandel auf unsere Tier- und Pflanzenwelt? Der Klimawandel bringt die Jahreszeiten durcheinander und damit nicht nur den Fahrplan der Zugvögel. Fürsorgliche Vogeleltern auf der Suche nach Futter für ihre Brut gucken in die Röhre, da die Entwicklung von Insekten und Vögeln zusehends asynchron verläuft. Pflanzen blühen früher und fallen späten Frösten zum Opfer. Die Alpen und ihre Lebensräume reagieren besonders empfindlich auf den Klimawandel. Da es wärmer wird, folgen Tiere und Pflanzen ihrem Temperaturoptimum und „wandern“ weiter nach oben. Gebietsfremde Arten, Schädlinge und Krankheiten sind Gewinner des Klimawandels und können bereits in unseren Breiten angetroffen werden. Und welche Folgen hat der Klimawandel schließlich auf unsere Freizeitaktivitäten, wie steht es insbesondere um den Skitourismus? Die Prognosen sind auch unter optimistischen Annahmen ernüchternd: In absehbarer Zeit werden wir Bedingungen wie in der Toskana haben, also milde Winter und mitunter ausgesprochen heiße Sommer. Skifahren wird, wenn überhaupt, nur noch im bekannten „Schneeloch“ Balderschwang möglich sein.
  • In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum ging es vor allem darum, wie dieser Klimawandel noch aufgehalten werden kann. Einhellige Meinung war, dass es schon fast zu spät sei. Nur konzertierte Aktionen können etwas bewirken, um das „Pariser Klimaziel“, d.h. den menschengemachten globalen Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, doch noch zu erreichen. Deutschland müsse hier eine Vorreiterrolle einnehmen, dabei kann sich jeder durch klimakonformes Handeln einbringen, so das Credo der jungen Leute. Bis dahin wollen die Aktivisten vom Augsburger Klimacamp ihre Zelte am Rathausplatz nicht abbrechen, auch wenn es Winter werde.

Daher wird es auch weiterhin jeden Tag hochkarätige Vorträge, Filme und Workshops sowie politische Aktionen (z.B. jüngst der „Pop-up-Radweg“ in der Hermannstraße) geben. Besuch und Teilnahme beim Augsburger Klimacamp sind gerne erwünscht! Und der „Globale Klimastreiktag“ ist Freitag, der 25. September, wo man auch in Augsburg wieder auf die Straße gehen wird (vgl. https://fridaysforfuture.de/save-the-date/).

Nachstehend einige Bildimpressionen von der gelungen, aber sehr nachdenklich machenden Vortragsveranstaltung im Augsburger Klimacamp:

Nachlese Klimacamp Bildblock

(2) Klimaschutzbericht 2019

Eine immerhin tendenziell positive Nachricht gab es zwischenzeitlich: Das Bundeskabinett hat die Tage den „Klimaschutzbericht 2019“ beschlossen: Nach den vorliegenden Schätzungen hat Deutschland im Jahr 2019 rund 35,7 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen als 1990. Zum Vergleich: 2018 lag die Minderung bei rund 32 Prozent, 2017 bei 27,5 Prozent. Die Gesamtemissionen 2019 sanken demnach gegenüber dem Vorjahr 2018 um fast 54 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (minus 6,3 Prozent) auf rund 805 Millionen Tonnen. Der Bericht betrachtet die Entwicklung der Emissionen vor dem Hintergrund beschlossener Klimaschutzmaßnahmen bis einschließlich 2019. Die Entwicklungen des Jahres 2020, insbesondere mögliche zusätzliche Effekte der Covid19-Pandemie, sind darin nicht enthalten. Der Bericht zeigt, dass die Maßnahmen des Aktionsprogramms 2020 wirken: Sie tragen dazu bei, die Lücke zur Erreichung unseres Reduktionsziels von minus 40 Prozent bis 2020 zu verkleinern. Dabei leistet der EU-Emissionshandel mit deutlich höheren Zertifikatspreisen einen höheren Minderungsbeitrag als noch vor einem halben Jahr erwartet. Günstig entwickelte sich insbesondere der Energiesektor, ungünstig hingegen der Verkehrsbereich:

  • Um fast 51 Millionen Tonnen sanken die CO2-Emissionen der Energiewirtschaft 2019 - der mit Abstand größte Minderungsbeitrag. Wichtig dafür: Da die Emissionshandelspreise gestiegen sind, wurde deutlich weniger Kohle für die Stromerzeugung verbrannt. Zu den zentralen Maßnahmen des Aktionsprogramms Klimaschutz 2020 zählt der Europäische Emissionshandel, der 2018 reformiert wurde. Die Bilanz zeigt, dass er funktioniert. Mit der Verknappung der Verschmutzungsrechte verdoppelten sich die Preise im vergangenen Jahr für jede Tonne CO2. Im Durchschnitt kostete die Tonne CO2 fast 25 Euro. 2019 kamen nahezu 43 Prozent des Strommixes aus Wind, Sonne, Wasser oder Biomasse. Diese haben ebenfalls zur Minderung der CO2-Emissionen beigetragen. Emissionsmindernd wirken außerdem eine geringere Energienachfrage aufgrund höherer Energieeffizienz, moderne Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen sowie die schrittweise Reduzierung der Kapazitäten von Braunkohlekraftwerken.
  • Die CO2-Emissionen des Verkehrssektors 2019 stiegen leicht um 1,2 Millionen Tonnen auf 163,5 Millionen Tonnen. Zwar kamen neue, sparsamere Fahrzeuge auf den Markt. Zugleich sind aber auch immer mehr und schwerere Fahrzeuge auf den Straßen (ein Plus von 1,6 Prozent). In der Summe werden mehr Benzin und Diesel verbraucht. Bis 2030 soll der Sektor nur noch 98 bis 95 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Um die Verkehrsemissionen wirksam zu reduzieren, fördert die Bundesregierung etwa den Ausbau der Elektromobilität. Bis 2030 sollen mindestens sieben Millionen Elektrofahrzeuge zugelassen sein. Zugleich fördert der Bund beispielsweise die Entwicklung alternativer Kraftstoffe und digitaler Verkehrstechnologie. 86 Milliarden Euro investiert der Bund bis 2030 in die Erneuerung der Schiene, weitere Milliarden in den öffentlichen Personenverkehr der Länder.

Wenn die tatsächlichen Treibhausgas-Emissionen für das Jahr 2020 deutlich niedriger ausfallen, könnte das 40 Prozent-Ziel gemäß Aktionsprogramm 2020 noch erreicht werden. Der nächste Klimaschutzbericht wird seinen Blick auf das Jahr 2030 richten und auch die Entwicklungen des Jahres 2020 einbeziehen. Er wird neben den unmittelbaren Auswirkungen der Covid19-Pandemie auch Aussagen darüber enthalten, welchen Beitrag das Klimaschutzprogramm 2030 in Kombination mit dem Corona-Konjunkturprogramm voraussichtlich auf dem langfristigen Weg zur Treibhausgasneutralität leisten werden.

Weitere Informationen

Titelbild: Augsburger Klimacamp
Bildblock: Impressionen vom Klimacamp und Vortrag des Allgäuexperten Dr. Michael Schneider
Alle Fotos von Dr. Jochen Cantner und Hanne Cornils