Bergwaldprojekt TitelbildIm Fachbeitrag „Aktiver Klima- und Naturschutz – Bergwaldprojekte!“ im letzten alpenblick (Ausgabe 3/2020, S. 16-17) hat das NUK-Team dazu aufgerufen, sich bei entsprechenden Mitmach-Aktionen zu beteiligen. Dies ist auf große Resonanz gestoßen! Mitte September begab sich eine 15-köpfige Gruppe unserer DAV-Sektion Augsburg zur eintägigen Schnupperaktion „Neihaufeschte“ nach Bayrischzell, veranstaltet von unserer Partnerorganisation Bergwaldprojekt e.V. und unter Mitwirkung zahlreicher anderer Naturfreunde*innen.

Gemeinsam und unter fachkundiger Anleitung von Forstingenieur Peter Naumann & Team von Bergwaldprojekt e.V. pflanzten wir auf einem etwa 12 Hektar großen Berggelände bei der Schwarzwand / Breitenstein über 1.400 Laub- und Nadelbäume, die im Verbund mit dem bestehenden Fichtenwald als klimaresilienter (d.h. an den Klimawandel anpassungsfähiger) und artenreicher alpiner Schutzwald dienen und gleichsam als CO2-Senke klimaschutzdienlich sind.

Mit Kleinbus-Shuttles wurden rund hundert ehrenamtliche Pflanzer*innen, quer durch alle Altersklassen, vom Bahnhof Fischbachau ins ca. 10 km entfernte Zielgebiet gebracht. Dort wurde insbesondere den Pflanzer-Novizen*innen gezeigt, wie man mit der Wiedehopfhacke, einem Kombinationsgerät aus Axt und Grabschaufel, in felsigem und verwurzeltem Gelände die Pflanzlöcher schlägt. Zur Pflanzung standen jeweils drei relativ klimastabile Laub- und Nadelgehölze zur Verfügung, nämlich Eberesche, Mehlbeere und Buche, Schwarzkiefer, Weißtanne und Lärche, mit denen der dominierende klimalabile Fichtenwald (aktuell 80 %) zu durchmischen war. Hierbei gab es die bevorzugten Standortanforderungen der Baumarten (z.B. schattig/sonnig, feucht/trocken) und die Anordnung im Gelände (z.B. Baumstümpfe als Schutzbarrieren gegen Steinschlag und Schneeabgänge) zu beachten. Insofern war überlegtes Vorgehen erforderlich.

Eine besondere Herausforderung bei der Pflanzung stellte die Hangneigung von 30 Grad dar, zudem das durchstrüppte Terrain sowie die kreuz- und querliegenden Stämme vom Baumbruch des alten Fichtenbestands, was nur mühsame und umsichtige Fortbewegung zuließ. Eine Entfernung ist hier nicht oder nur mit aufwändigem Helikoptereinsatz (50 € pro Flugminute) möglich. Andererseits fördert das Totholz die Artenvielfalt von Fauna & Flora.

Auch das Einpflanzen der kleinen Setzlinge bedarf großer Sorgfalt. Die Wurzelballen müssen unmittelbaren Kontakt zur Mineralsubstanz, sprich Erde haben, eine Abschlussschicht aus kleinen Ästen, Nadeln und Moos, sprich Humus, verhindert das Auswaschen der Erde. Und die Setzlinge müssen mit Druck eingesetzt sein, um ein versehentliches oder absichtliches Herausziehen, etwa durch Wild, zu verhindern. Zu letzterem werden die Pflanzen noch mit einem Extrakt aus Schafwolle besprüht, dies wirkt angeblich appetithemmend und reduziert somit die Wildschäden. Bei Aktionen mit ehrenamtlichen Pflanzern ist die Anwachsquote der Setzlinge erfahrungsgemäß hoch (rund 90 %), da hier mit Bedacht zu Werke gegangen wird. Dies ist bei Lohnpflanzern oftmals nicht gewährleistet, da hier im Akkord zu arbeiten ist.

Mit unserer Pflanzaktion können über den Lebensweg der 1.400 Bäume hinweg möglicherweise 14 bis 21 Gewichtstonnen CO2 pro Jahr gebunden werden (Annahmen: 80 Wachstumsjahre mit einer durchschnittlichen CO2-Bindung von 10 bis 15 Kilogramm pro Baum und Jahr, abhängig von der Baumart). Damit ist der CO2-Output unserer Reise ins Zielgebiet mittels klimafreundlicher Bahn, nämlich gemäß „UmweltMobilCheck“ der DB rund 200 Kilogramm CO2 für 15 Personen, vernachlässigbar gering. Zudem hat das Bergwaldprojekt Freude bereitet sowie Umweltbildung & Gemeinsinn gefördert!

Nachstehend noch einige Bildimpressionen der „NUK-Aktion Bergwaldprojekt“ in Bayrischzell:

Bergwaldprojekt Bildblock 1

Bergwaldprojekt Bildblock 2Bergwaldprojekt Bildblock 3Bergwaldprojekt Bildblock 4Bergwaldprojekt Bildblock 5Bergwaldprojekt Bildblock 6Wer sich auch in Eigenregie bei Bergwaldprojekt e.V. mit seinen umfänglichen Mitmach-Aktionen beteiligen möchte, findet hier alle Informationen: https://www.bergwaldprojekt.de/

Weitere Informationen

Titelbild: Lärchen-Setzling in geschützter & sonniger Lage gemäß genauer Anleitung von Bergwaldprojekt e.V.
Bildblock 1: Erste Einweisung in die Pflanzaktion
Bildblock 2 & 3: Aufstieg ins Berggelände und zweite Einweisung
Bildblock 4 & 5: Schweißtreibende Pflanzaktion getreu dem Motto „Neihaufeschte“
Bildblock 6: Zufriedene Pflanzer*innen bei der Mittagspause
Alle Fotos von Carola Ammann, Klaus Blachut, Dr. Jochen Cantner und Dieter Kühn