ca Peanut farb bKlimaneutralität ist in aller Munde! Angesichts des spürbar werdenden Klimawandels und der drohenden Klimakatastrophe findet sich bei immer mehr Unternehmen, Organisationen, Verbänden und sogar ganzen Staaten und Staatenverbünden die Bereitschaft und auch das engagierte Handeln, bei den eigenen Aktivitäten möglichst wenig oder gar keine klimaschädlichen Treibhausgase, mengenmäßig allen voran das Kohlendioxid (CO2), zu emittieren. Es gilt, innerhalb eines gesteckten Zeitrahmens letztendlich klimaneutral zu werden.

Klimaneutralität bedeutet, dass durch einen Prozess oder eine Tätigkeit das Klima nicht beeinflusst wird. Dies lässt sich zunächst durch Vermeiden und Reduzieren des Treibhausgasausstoßes mittels geeigneter spezifischer Maßnahmen erreichen. Verbleibende Restemissionen lassen sich schließlich kompensieren, indem ersatzweise die Treibhausgase an anderer Stelle verringert werden (d.h. Ausgleichsmaßnahmen) oder aus der Atmosphäre entfernt werden (d.h. natürliche oder technische CO2-Senken). Hierzu bedient man sich oftmals sogenannter „Kompensationsdienstleister“, die gegen entsprechende Bezahlung die Neutralstellung von einzelnen Dienstleistungen, Produkten und Events und darüber hinaus von ganzen Unternehmen und anderen Institutionen durchführen. Grundvoraussetzung für mögliche Vermeidungs- und Reduzierungsmaßnahmen ist die Kenntnis des relevanten „CO2-Fußabdrucks“ und der sich daraus ergebenden Einsparpotenziale. Hierfür ist eine qualifizierte Emissionserhebung, sprich CO2-Bilanzierung bzw. Klimabilanz, erforderlich.

(1) Deutscher Alpenverein: Klimaneutralität ab 2026

Prinzip vermeiden vor reduzieren vor kompensierenAuch der Deutsche Alpenverein gehört zu den handelnden Akteuren. Als weltweit größter Bergsportverein und gleichsam anerkannter Naturschutzverband trägt er hierbei besondere Verantwortung. Mit Verabschiedung der „DAV Klimaresolution“ auf der Jubiläumshauptversammlung Ende 2019 wurden die Voraussetzungen geschaffen. Die in der Resolution festgeschriebene Selbstverpflichtung zur Klimaneutralität von Bundesverband und Sektionen vor allem in den Handlungsfeldern „Mobilität“ und „Infrastruktur“ soll nun im Rahmen des bereits im Entwurf vorliegenden „DAV Klimaschutzkonzepts“ verwirklicht werden. Der Leitgedanke dieses Konzepts ist das Prinzip „vermeiden vor reduzieren vor kompensieren“. Dies besagt, dass das primäre Ziel immer die Vermeidung von CO2-Emissionen sein muss. Nur wenn dies nicht erreicht werden kann und Emissionen weitestgehend reduziert oder vermieden sind, werden mögliche Restemissionen kompensiert. Für eine reflektierte Vorgehensweise wird als Zeitrahmen zur Erlangung der DAV-Klimaneutralität das Jahr 2026 (DAV Bundesverband) bzw. das Jahr 2028 (Sektionen) gesetzt. Andernfalls bestünde Gefahr, dass sich der Status quo manifestiert und Klimaschutz weitgehend durch Kompensationsmaßnahmen erfolgen würde (Stichwort „Greenwashing“). Detaillierte Informationen und ein Ausblick auf die weitere Vorgehensweise finden sich in der Publikation DAV Klimaschutzkonzept – Ein Zwischenstand“ (bitte link anklicken), welche ganz aktuell in unserer Sektionszeitschrift alpenblick 4/2020, S. 14-17, erschienen ist.

(2) „Reine“ Sportverbände: Klimaneutralität bis 2050

Cover Positionspapier NACHHALTIGER SPORT 2030Andere Sportverbände, allerdings ohne den Zusatz „Naturschutzverband“, bekennen sich ebenso zum Klima- und Ressourcenschutz. Hierzu ist auf das Positionspapier NACHHALTIGER SPORT 2030 –  Verantwortung für Natur, Umwelt und Gesellschaft (bitte link anklicken) zu verweisen, welches vom Beirat „Umwelt und Sport” des Bundesumweltministeriums verfasst und im April 2020 publiziert worden ist. Hervorzuheben sind die dort formulierten Leitprinzipien des nachhaltigen Sports, die insbesondere „Faktenklarheit und Transparenz“, Information und Kommunikation“ sowie „Kooperation und Partizipation“ bei der Umsetzung fordern. Sport ist ein Multiplikator, daher muss das Handlungs- und Politikfeld Sport in den Nachhaltigkeitsstrategien sowie im Klimaschutz auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene noch gezielter als bisher einbezogen werden. In Hinblick Klimaneutralität des Sports orientiert man sich am „Klimaschutzplan 2050“ des Bundeskabinetts aus dem Jahr 2016. Es ist das erste Regierungsdokument, das den Weg in ein weitgehend treibhausgasneutrales Deutschland im Jahr 2050 aufzeigt. Der Plan enthält Klimaziele für einzelne Wirtschaftszweige und gibt so eine konkrete Orientierung für strategische Entscheidungen in den nächsten Jahren – auch für den Sport.

(3) Bundesrepublik Deutschland: Klimaneutralität bis 2050

Cover Studie Klimaneutrales DeutschlandDas Langfristziel Deutschlands, bis 2050 weitgehend treibhausgasneutral zu werden, wird bundes- und landesweit intensiv diskutiert. Jüngst hat dazu die umfangreiche Studie „Klimaneutrales Deutschland – In drei Schritten zu null Treibhausgasen bis 2050 über ein Zwischenziel von -65% im Jahr 2030 als Teil des EU-Green-Deals (bitte link anklicken) im Auftrag von Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität die notwendigen Schritte aufgezeigt. Es bedarf es eines umfassenden Investitionsprogramms, das den Ausbau der Erneuerbaren Energien prioritär vorantreibt, die weitgehende Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie umfasst, die energetische Sanierung fast aller Gebäude beinhaltet und den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur anstößt. In einem ersten Schritt würden die Emissionen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 sinken. Daran würde sich ein zweiter Schritt mit einem vollständigen Umstieg auf klimaneutrale Technologien anschließen, so dass die Emissionen um 95 Prozent sinken. Mit einem dritten Schritt würden schließlich nicht vermeidbare Restemissionen durch CO2-Abscheidung und -Lagerung ausgeglichen.

(4) Sport- und Umweltstadt Augsburg: Klimaneutralität 2050 oder früher

Cover Klimaschutzbericht 2020Speziell für unsere DAV-Sektion Augsburg ist Klimaschutz auf kommunaler Ebene von besonderer Bedeutung. Denn mit unserer Kletterhalle an der Sportanlage Süd, die erst in jüngerer Zeit zum DAV-Kletterzentrum und gleichsam zum Landesleistungszentrum für Sport- und Wettkampfklettern ausgebaut wurde, verfügen wir über eine besondere Bergsportdestination vor Ort. Klimaschutz vor allem in den Handlungsfeldern „Mobilität“ und „Infrastruktur“ kommen hier unmittelbar zum Tragen, dabei am besten in Abstimmung mit der Sport- und Umweltstadt Augsburg. Dazu sind wir Partner im „Augsburger Klimadialog“, Unterstützer der „Solaroffensive Augsburg“ und neuerdings Mitglied im neu eingerichteten „Klimabeirat der Stadt Augsburg“. Hiermit erfüllen wir eine wichtige Funktion als Mittler der Augsburger Klimaschutzaktivitäten und -ambitionen hinein in unseren mittlerweile über 17.000 Mitglieder umfassenden Verein und darüber hinaus in die gesamte Augsburger Zivilgesellschaft. Die kommunalen Zielsetzungen zum Klimaschutz finden sich aktuell im „Klimaschutzbericht 2020 – Evaluierung Klimadialog, CO2-Minderungsziele, Maßnahmen und Klimawandel-Anpassungsstrategie“ (downloadbar unter: https://www.augsburg.de/umwelt-soziales/umwelt/klima-energie/klimaschutz). Hier wird als Perspektive das Nahziel einer Halbierung der CO2-Emissionen bis 2030 (dabei Basisjahr 1990) genannt, wobei aber auch entsprechende Rahmenbedingungen von Europäischer Union (Stichwort „EU-Green Deal“), Bund (s. nochmals oben) und Freistaat (Stichwort „Klimaoffensive Bayern“ respektive Bayerisches Klimaschutzgesetz) geschaffen werden müssen. Darüber hinaus wird aus Politik und Gesellschaft verstärkt eine Klimaneutralität (bis 2050, früher als 2050, baldmöglichst) angemahnt. Abgesehen davon hat man aber auch den voranschreitenden Klimawandel im Visier (d.h. zunehmende drastische Wetterereignisse wie Hitze, Dürre, Sturm oder Starkregen) und verfolgt entsprechende Klimaanpassungsstrategien speziell für das Augsburger Stadtgebiet.

Weitere Informationen:

Titelbild: Auf den Punkt gebracht (eigene Darstellung, Vorlage: https://twitter.com/nickheizmann/status/1187369482685157377 © Die Peanuts / Charles M. Schulz)
Bild 1: DAV-Prinzip „vermeiden vor reduzieren vor kompensieren“. © DAV
Bild 2: Positionspapier „NACHHALTIGER SPORT 2030“. © BMU
Bild 3: Cover Studie „Klimaneutrales Deutschland“. © Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität
Bild 4: Cover „Klimaschutzbericht 2020“. © Stadt Augsburg