luchs8 Henning Werth 63dc76a6Am 3. März hat die UN-Generalversammlung den Tag des Artenschutzes (World Wildlife Day) festgelegt. An diesem Tag soll auf den Reichtum an Lebensformen, besonders aber auf gefährdete Tier- und Pflanzenarten, hingewiesen werden.

Der diesjährige World Wildlife Day steht im Zeichen der Schönheit und des Schutzes der Großkatzen. Sie gehören zu den faszinierendsten Säugetieren der Welt. Gleichzeitig geht aber weltweit der Bestand der Großkatzen in beunruhigendem Tempo zurück. Gründe dafür sind der Verlust von Lebensraum, mangelnde Beute, Konflikte mit den Menschen, Wilderei und illegaler Handel.

Vierzig Katzenarten gibt es auf der Welt. Die größte in Europa vorkommende Art ist der eurasische Luchs. Voll ausgewachsen erreicht er eine Schulterhöhe von 50 bis 60 cm und wiegt zwischen 17 und 26 kg. Abgesehen von der Paarungszeit lebt er einzelgängerisch und beansprucht Reviere von zwischen 40 und 400 qkm. Trotz seiner Größe ist es schwierig das Tier mit seinen charakteristischen Pinselohren zu Gesicht zu bekommen. Denn der Luchs lebt heimlich und gut getarnt und ist vorwiegend in der Dämmerung und nachts unterwegs. Die Luchsin bringt durchschnittlich zwei Junge zur Welt, die während rund zehn Monaten bei ihr bleiben. Danach lösen sie sich von ihr und suchen ein eigenes Revier. In dieser Zeit sind sie diversen Gefahren ausgesetzt, weshalb nur gerade ein Viertel der Luchse das dritte Lebensjahr erreicht.

Einst waren Luchse in ganz Europa stark verbreitet. Mit der zunehmenden Abholzung der Wälder zugunsten des Ackerbaus verloren die Tiere ihren Lebensraum. Die exzessive Bejagung der Wildtiere im 19. Jahrhundert führte schließlich nahezu zur Ausrottung. Nur in abgelegenen Regionen Europas überlebten Luchse in geringen Zahlen. Die Wiederansiedlung des Luchses ist insbesondere in der Schweiz erfolgreich geglückt. Dort hat sich wieder ein stabiler Bestand von geschätzten 300 Tieren etabliert. Gesamteuropäisch ist der Luchs allerdings nach wie vor gefährdet. In der Schweiz leben mehr Tiere als in den Nachbarländern. Damit der Luchs in Europa längerfristig erhalten bleibt, benötigt es einer weiteren Ausbreitung der heutigen Bestände und länderübergreifender Kooperationen. Um den Aufbau neuer Populationen in den Nachbarstaaten zu unterstützen und die Vernetzung zu fördern, beteiligt sich die Schweiz an Wiederansiedlungsprojekten im benachbarten Ausland, wie etwa in Italien, Österreich oder aktuell in Deutschland. Dazu werden Luchse in der Schweiz eingefangen und umgesiedelt. Speziell in Bayern existiert seit 2013 das „Luchsprojekt Bayern“, einem Artenschutzprojekt einer in einer Trägergemeinschaft von LBV, Bund Naturschutz in Bayern und Wildland-Stiftung Bayern.

Als Jäger von kleinen Paarhufern wie Rehen und Gämsen nimmt der Luchs eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem ein. Er sitzt zuoberst in der Nahrungskette und füllt eine ökologische Nische, die von keinem anderen Tier in Westeuropa besetzt wird: Pro Woche verzehrt ein Luchs ungefähr ein Reh oder eine Gämse. Rehe und Gämsen wiederum fressen vorzugsweise junge Bäume oder Triebe. Leben zu viele Paarhufer in einem Waldgebiet, hat der Wald kaum Chancen nachzuwachsen. Indem der Luchs den Bestand der Paarhufer reguliert, fördert er die natürliche Verjüngung des Waldes. Strukturreiche, mit alten und jungen Bäumen bestückte Wälder, bieten diversen Tieren einen Lebensraum. Dennoch stößt der Luchs nicht immer auf Akzeptanz. Es kommt nach wie vor zu illegalen Tötungen. Nutzungskonflikte mit dem Menschen gibt es vor allem dann, wenn die Großkatze Ziegen oder Schafe reißt, oder wenn sie in hohen Dichten vorkommt und dadurch die Bestände der jagdbaren Tierarten der Rehe und Gämsen stark vermindert.

Weitere Informationen unter http://naturschutz.ch/news/world-wildlife-day-grosskatzen-im-fokus/122940 und https://www.lbv.de/naturschutz/artenschutz/saeugetiere/luchs/

Bild: Dauerhafte Luchsanwesenheit nur mit Kompromissen möglich; Copyright: LBV, Fotograf: Henning Werth