BN Siedlungsentwicklung AugsburgDie Tage wurde im Augsburger Zeughaus die Studie „Ökologische Siedlungsentwicklung in der Region Augsburg“ vorgestellt und diskutiert. Die Moderation der gut besuchten Veranstaltung erfolgte seitens Johannes Enzler, 1. Vorsitzender beim BUND Naturschutz Bayern e.V. (BN) Ortsgruppe Augsburg, die Vorstellung des Projektberichts seitens Prof. Dr. Wolfgang Rid vom Institut Stadt/Mobilität/Energie (ISME) aus Stuttgart bzw. Erfurt. Zentrales Ergebnis der Studie: Aufstocken statt neu bauen!

Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie sieht vor, den Flächenverbrauch bis 2020 auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen. Allein in Bayern beträgt die Flächeninanspruchnahme durch Siedlungsentwicklung, Gewerbegebiete und Straßenbau über 10 Hektar pro Tag. Mit in der Spitzengruppe beim Flächenverbrauch ist der Raum Augsburg. Das hat den BUND Naturschutz in Bayern bewegt, eine Studie beim Planungsbüro ISME in Auftrag zu geben, mit dem Ziel eine Entscheidungsgrundlage für die Siedlungsentwicklung im Verdichtungsraum Augsburg darzustellen. Neben der Auswertung zahlreicher demographischer Daten wurden auch Ausschlussflächen für eine Bebauung hinsichtlich ihrer ökologischen Bedeutung identifiziert. Dazu wurde eine Kartierung durch Ehrenamtliche durchgeführt, bei der die ökologische Beschaffenheit unterschiedlicher potentieller Wohnbauflächen im Fokus stand. Um auch das Potential für Nachverdichtungen im Wohnbestand darzustellen, sind beispielhafte Nachverdichtungsszenarien für bestimmte Quartiere in Augsburg erarbeitet worden.

Wie alle Großstädte in Bayern wächst auch die Umweltstadt Augsburg. Schon im Jahr 2019 soll die Stadt die 300.000-Einwohner-Marke reißen. Das Planungsbüro ISME geht davon aus, dass in Augsburg bis 2030 etwa 500 Wohnungen pro Jahr neu errichtet werden müssen, um das Wachstum aufzufangen. 446 Wohnungen pro Jahr sind laut ISME ohne die Ausweisung eines Quadratmeters neuen Baulands möglich, indem der Baubestand aufgestockt wird anstelle neu zu bauen. Damit könnte nicht nur der Flächenfraß abgemildert werden. Nachverdichtungen seien auch kostengünstiger, weil Straßen, Leitungsnetze und andere Infrastruktur für die neuen Wohnungen bereits vorhanden sind. Außerdem sei urbanes Wohnen attraktiv, vor allem für ältere Leute, weil die Wege zum Einkaufen und zu Ärzten in der Stadt in aller Regel sehr viel kürzer seien als in weitläufigen Siedlungen am Stadtrand oder in Nachbargemeinden. Der Augsburger BN fordert zudem, dass die Stadt künftig keine Neubauviertel mehr für Einfamilienhäuser ausweisen soll. Außerdem müssten Neubauten grundsätzlich höher gebaut werden als bislang – und zwar nicht nur aus Effizienzgründen, sondern weil sie attraktiv seien. So zählten auch in Augsburg vier- bis fünfstöckige Wohnhäuser aus der Gründerzeit längst zu den begehrtesten Wohnlagen.

Konkretisiert hat der BN seine Forderungen in einem 10-Punkte-Positionspapier.
Dieses Papier sowie die ISME-Studie sind unter https://www.bund-naturschutz.de/flaechenschutz/bn-forschung.html downloadbar.

Unsere DAV-Sektion erachtet diese Überlegungen und Sichtweisen als sehr sinnvoll. In diesem Zusammenhang sei bemerkt, dass die Baukonzeption unserer neuen Kletterhalle bzw. des Landesleistungszentrums Sport- und Wettkampfklettern den Erforderlichkeiten der Nachhaltigkeitsstrategie zum Flächenverbrauch entspricht. In Bälde kann man sich davon überzeugen: offizielle Eröffnung der Kletterhalle ist am 10. Juni 2018!

Bild: 10 Forderungen des BUND Naturschutz für eine flächensparende Siedlungsentwicklung in Augsburg. © BN