Haspelmoor 1v5Früher wurden Moore als wertlos und öde angesehen. Heute entdeckt man ihre große Bedeutung: Moore halten große Mengen Regenwasser zurück und sind daher wichtig für den Hochwasserschutz. Bis zu 95 % des Torfvolumens können aus Wasser bestehen. Auch zum Klimaschutz leisten Moore einen wichtigen Beitrag. Weil in den ganzjährig nassen Mooren der Sauerstoff fehlt, kann das abgestorbene Pflanzenmaterial nicht zersetzt werden und sammelt sich als Torf an. Im Allgäu findet sich eine der wertvollsten Moorlandschaften Mitteleuropas. Nirgendwo im gesamten Alpenraum ist der Übergang zwischen den Mooren im Alpenvorland und in den höheren Lagen der Alpen so gut erhalten wie hier. Wer aber schon in nächster Nähe ein Anschauungsobjekt sucht – und das bietet sich für unsere DAV-Sektion Augsburg an – dem sei eine Exkursion ins Haspelmoor empfohlen.

Haspelmoor 1av5Das Haspelmoor ist ein Moor in den Gemeinden Hattenhofen und Althegnenberg im Landkreis Fürstenfeldbruck. Nach dem Ende der Eiszeit bildete sich dort zuerst ein großer See, der dann verlandete. Zusammen mit den umliegenden Feucht-Torfwiesen erreicht das Gebiet eine Größe von etwa 370 Hektar. Südlich der Bahnstrecke München-Augsburg befindet sich der Teil des Moores, der seit 1985 Naturschutzgebiet ist. Im nördlichen Teil liegen das Rote Moos und das Biermösl. Im äußersten Süden stößt man auf das Nassenmoos. Das Moor wird nach Osten über das Einzugsgebiet der Maisach und nach Westen über den Finsterbach in die Paar entwässert. Durch den östlichen Teil des Moores führt ein Exkursionspfad. Dieser ist mit einem roten Pfeil markiert. Der Exkursionspfad beginnt am Ortsrand von Haspelmoor an der Straße von Haspelmoor in Richtung Westen. Er endet an der Bahnlinie Augsburg-München. Dieser Weg ist auf den gängigen topografischen Karten nicht eingezeichnet.

Haspelmoor 2v5Für eine kompetente Führung durchs Haspelmoor kann insbesondere auf Toni Drexler verwiesen werden, den langjährigen Kreisheimatpfleger im Landkreis und zudem Gründer des Montagsbrettls. Toni Drexler und sein Bruder zogen Ende der 1960er-Jahre in München um die Häuser und lernten die damalige Subkultur und Szene in der Landeshauptstadt kennen. Da es auf dem Land zu dieser Zeit quasi keine Gruppen gab, die auf Bairisch sangen und dichteten, holten die Brüder sie eben nach Hörbach im Haspelmoor. In den Siebzigern gründeten sie das Hörbacher Montagsbrettl. Weil der Wirt am Montag immer Ruhetag hatte, gab er sein Okay. Wegen des enormen Erfolgs gilt Drexler sogar als „heimlicher König der bayerischen Kleinkunstszene“. Dazu passt, dass er der berühmten Musik- und Kabarett-Gruppe „Biermösl Blosn“ ihren Namen gegeben hat. Toni Drexlers zweite Leidenschaft ist die Geschichte. Er ist eine Instanz auf dem Gebiet der Volkskunde, Regional-Historie und Archäologie. Vor zwei Jahren bekam er die Rainer-Christlein-Medaille, so etwas wie der bayerische „Nobelpreis für Archäologen“. Sein beliebtestes Grabungsgebiet ist das Haspelmoor. Dort hat er 1994 eine Lagerstätte aus dem Mesolithikum entdeckt. Mehr als 15000 Artefakte sind dort seither geborgen worden.

Haspelmoor 3v5Bei Drexlers Führungen durchs Haspelmoor erfährt man interessante Details von der Entstehungs- und der Nutzungsgeschichte des nördlichsten Hochmoorrests des bayerischen Alpenvorlands. Die Moorbildung begann nach den Eiszeiten im Holozän, die Mächtigkeit des Torfkörpers kann im zentralen Bereich bis zu drei Meter betragen. Reichhaltige Funde aus dem Mesolithikum bestätigen, dass rund um den ehemals bestehenden See bereits vor mehr als 11.000 Jahren Menschen lebten und jagten. In den Jahren 1838/39 wurden Teile für den Bau der Eisenbahnstrecke München-Augsburg zum Teil entwässert. Es war die erste Eisenbahntrasse, die durch ein Moor geführt wurde. 1853 wurde der Bahnhof Haspelmoor errichtet. Nach dem Bahnhof entstand die Königliche Torfgewinnungs-Anstalt in Haspelmoor. Von 1846 bis 1875 ist großflächig Torf für den Betrieb von Lokomotiven gestochen worden. In den Jahren von 1888 bis 1931 baute das Torfstreu- und Mullewerk Haspelmoor Torf ab. Er diente als Stallstreu und Isoliermaterial für Eiskeller und wurde in ganz Europa vertrieben.

Haspelmoor 4v5Das Moor wurde erst 1985 unter Naturschutz gestellt. Weite Teile der Moorflächen sind nunmehr bewaldet, es handelt sich überwiegend um lichte Kiefern-Birkenwälder mit Übergang zu Mischwaldflächen. In den Randbereichen des Moores befinden sich Buchenbestände, die an den nährstoffarmen Boden angepasst sind. In den unwegsamen Waldflächen stößt man immer wieder auf flache Moortümpel; hierhin haben sich seltene Pflanzenarten wie der Rundblättrige Sonnetau zurückgezogen.




Haspelmoor 5v5Typisch für Moorgebiete ist auch der Faulbaum aus der Familie der Kreuzdorngewächse. Der Name Faulbaum geht auf den leichten Fäulnisgeruch der Rinde zurück. Die Rinde wird medizinisch als Abführmittel verwendet, die aus dem Faulbaum gewonnene Holzkohle wurde früher für die Herstellung von Schwarzpulver verwendet.





Weitere Informationen zu einer Exkursion ins Haspelmoor bietet der Verein Lebensmoor Haspelmoor e.V. unter: www.haspelmoor.de. Weitere Informationen zum Hörbacher Montagsbrettl unter: www.montagsbrettl.de

Bild 1: See im Haspelmoor. Fotograf: Dr. Jochen Cantner

Bild 2: Pfade durchs Haspelmoor. Fotografin: Dr. Gotlind Blechschmidt

Bild 3: Da bin i dahoam: Toni Drexler vor seinem Haus in Hörbach. © Münchner Merkur / Peter Weber

Bild 4: Toni Drexlers Führung durchs Haspelmoor. Fotograf: Dr. Jochen Cantner

Bild 5: Naturschutzgebiet Haspelmoor. Fotografin: Dr. Gotlind Blechschmidt

Bild 6: Kleinode im Haspelmoor – der Faulbaum. Fotografin: Dr. Gotlind Blechschmidt