Von Sabine Kühl und Gerhard Reich
2 Bergseehütte 1600 x 1200
Eine traumhafte Gegend, eisenfester Granit, eine gemütliche Hütte an einem Bergsee im Hochgebirge und vier Tage Zeit – das sind beste Voraussetzungen für unvergessliche Klettertouren rund um die Bergseehütte in den Urner Alpen. Der Hüttenwirt Toni Fullin hat in den vergangenen Jahren die Routen um die SAC-Hütte saniert und auch unzählige Wege neu eingerichtet, so dass heute 155 Routen mit 450 Seillängen die Kletterer erwarten.
Wenn man, wie Gerhard und ich, abends anreist, bietet sich der kleine Alpincampingplatz im Göscheneralptal zur Übernachtung an. Der Aufstieg am nächsten Morgen führt durch ein wunderschönes Hochmoor in knapp 2 Stunden zur 2370 m hoch gelegenen Bergseehütte. Schnell beziehen wir das Lager und springen in die Klettergurte. Gleich gegenüber der Hütte liegt der Sektor Hüttenblick wo wir uns an den Granit gewöhnen wollen. Das Wetter ist zwar noch trocken, aber die Wolken hängen so tief, dass wir von der Hütte schnell nichts mehr sehen. Einige Routen später ist unser Doppelseil klamm und es beginnt zu tröpfeln – ein guter Grund, es sich in der Bergseehütte bei einem köstlichen Abendessen gut gehen zu lassen.
Nach einer regnerischen Nacht erwartet uns ein strahlender Morgen, genau richtig für unser erstes großes Ziel, den steilen Südgrat des Bergseeschijen. 3 Sabine Bergseeschijen 1600 x 120010 Seillängen führen durch kompakten Granit bei bester Absicherung.
Nur ab und zu benötigen wir mobile Sicherungsgeräte.
Auf dem Gipfel des Bergseeschijen rasten wir und sehen den anderen Kletterern zu, die nach uns den Grat klettern. Den normalen Abstieg über die Bergseeschijenlücke kennen wir bereits von unserem ersten Aufenthalt und so wenden wir uns nach Norden, um in einer kleinen Scharte über das Westcouloir abzuseilen. Gerhard vergleicht das Couloir mit einem Höllental – das trifft es recht genau. Spitzige Felsnadeln und messerscharfe Schuppen aus graubraunem Granit sorgen für eine leicht unheimliche Stimmung. Nach zwei Abseilfahrten und einer weiteren Stunde weglosen Kletterns über Blockfelder erreichen wir die Hütte und springen sofort in den 18° C warmen Bergsee – eine super Erfrischung!
Am anderen Morgen zeigt sich das Wetter zwar trocken, aber es wabern immer wieder dicke Wolken aus dem Tal herauf. Wir entscheiden uns für einen weiteren Südgrat, diesmal auf den Hochschijen. Er verläuft im steten Auf und Ab und ist für mich, die eher unerfahrene Gratkletterin, eine Nervenprobe. Besonders die Wegfindung ohne Sicherungen, das luftige Abklettern und der kühle Nebel setzen mir zu. Nicht alle Blöcke auf dem Grat liegen bombenfest und obwohl die Kletterei technisch sehr einfach ist, kostet mich die spannende Fortbewegung viele Körner. Wie freue ich mich da über eine gut gesicherte, steile 4c-Seillänge im festen Fels! Nach 12 Seillängen erreichen wir das Wandbuch und genießen unsere Brotzeit mit ein paar wärmenden Sonnenstrahlen. Dann seilen wir ab und freuen uns schon wieder auf den See – leider zu früh, denn unser Seil hängt fest. Gerhard prusikt wieder hinauf und löst es erfolgreich vom Felsen, bevor wir über wegloses Gelände Richtung Hütte absteigen und abermals ins Wasser springen können.
Am letzten Klettertag wollen wir nicht allzu spät von der Hütte absteigen und entscheiden uns daher für den Klettersektor See, der Einseillängen im 5. bis oberen 6. Franzosengrad bietet. Zwar schauen wir uns die Topos im Führer der Hütte genau an, stellen aber dann vor Ort fest, dass weder Routennamen angeschrieben sind noch die Topos im Rucksack sind. Also klettern wir auf gut Glück von rechts nach links und landen bald in recht anspruchsvollen Routen. Trotzdem knacken wir sie alle und freuen uns später in der Hütte, dass wir ausgerechnet die schwersten Routen des Sektors erfolgreich klettern konnten. Da noch vier Stunden Heimfahrt vor uns liegen, steigen wir nach einem weiteren Bad im See und einer letzten Kaffeepause auf der Hütte zügig Richtung Göscheneralpsee ab. Vier traumhaft schöne und erfolgreiche Klettertage liegen hinter uns wir planen schon, im nächsten Jahr wieder zu kommen, denn es gibt noch viel, viel zu klettern im Bergseegebiet!1 Gerhard Bergseeschijen 1600 x 1200
4 Sabine Hochschijen 1600 x 1200