von Johannes Eggert, Alexander Klimm und Alex Reiner

Nachdem Weihnachten gut überstanden war und das Wetter weiterhin nur Sonnenschein kannte, überlegten wir uns, mit welcher alpinen Unternehmung wir das Jahr 2015 gebührend beenden konnten. Da seit Wochen kein Flöckchen Schnee mehr gefallen war und sich die Altschneedecke so zu einer stabilen Firnoberfläche verbunden hat, waren die Bedingungen ideal um eine klassische Eiswand zu klettern. Ein paar Routen hatten wir da schon seit längerem im Auge. Am Ende musste man sich zwischen den Nordwänden von Hochfeiler und der Wildspitze entscheiden. Wir entschieden uns für die Wildspitze, denn dort stand uns als Ausgangspunkt der geräumige Winterraum der Breslauer Hütte zur Verfügung. Am Hochferner wäre es in der Biwakschachtel wahrscheinlich ziemlich eng geworden.

Am 29.12.2015 starteten wir nun gemeinsam in Augsburg und gegen Einbruch der Dämmerung konnten wir unser Tagesziel, den Winterraum der Breslauer Hütte erreichen. Zu unserem Entsetzten mussten wir feststellen, dass sich eine größere Gruppe tschechischer Bergsteiger auch dort einquartiert hat. Zum Glück fanden wir noch zwei einzelne Plätze, welche wir im Tauschverfahren nebeneinander anordnen konnten. Zu dritt hatten wir so genügend Platz auf unserer ’’Doppelmatratze’’. Nachdem wir uns einen Platz auf dem Kochfeld des Bauernofens sichern konnten, bereiteten wir uns ein klassisches Bergsteigeressen zu, Nudeln mit Bolognese. Die anderen Leute hatten alle Tütennahrung dabei und so wanderten zahlreiche interessierte Blicke zu unserer leckeren Pasta mit frischem Parmesan. Nun mussten wir nur noch die Route zum Einstieg der Nordwand festlegen. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder über das Mitterkarjoch und dann zum Wandfuß absteigen oder über den Rofenkarferner, über welchen man direkt zum Einstieg gelangt. Obwohl der Rofenkarferner einige Spalten hat, ist dies die praktischere Route. Über Satellitenbilder hatten wir die Sommerroute über den Rofenkarferner schon genau recherchiert und so trauten wir uns dies nun auch im Winter bei schlechter Schneeüberdeckung zu.Am 30.12.2015 ging es nun gegen 6:30, nach einer sehr schlechten Nacht, an der Hütte los. Im Lichtkegel unserer Stirnlampen zogen wir nun los Richtung Rofenkarferner. Dort konnten zwei von uns nun endlich auf ihre bisher mühsam getragenen Tourenski umsteigen. So ging es deutlich angenehmer weiter. Johannes hatte sich gegen Tourenski entschieden und hatte nun mit knietiefen Schnee zu kämpfen. Inzwischen war die Sonne aufgegangen und wir konnten dem gespurten Weg über den Gletscher folgen. An dessen Ende gab es noch ein Steilstück zu überwinden, für welches kurz die Ski auf den Rucksack gepackt werden mussten. Nun standen wir am Anfang des Jubiläumsgrates der Wildspitze. Um zum Anfang der Nordwand zu gelangen, mussten aber noch die Hänge des Jubiläumsgrates gequert werden. Für unseren Kameraden ohne Ski war das nun eine Kräfte zehrende Angelegenheit. Trotzdem hat er die Zähne zusammen gebissen und so standen wir bald am Einstieg zur Nordwand. Vorausgehende Seilschaften waren bereits außer Sichtweite und so konnten wir ungestört lospickeln. Johannes stapfte gleich los und beging die Wand im Alleingang. Die beiden Alexander blieben am Seil und gingen, gesichert durch Einschrauben, am gleitenden Seil. Die Wand mit ihrer 50° Neigung war im besten Zustand, Blankeis war nahezu nicht vorhanden und so ließen sich die Frontzacken locker in einer dünnen Firnschicht platzieren. Ab der Mitte der Wand merkte man den langen Zustieg und den mit Ski bepackten schweren Rucksack. Die Waden machten sich bemerkbar und es waren Pausen in kürzeren Abständen nötig. Nach gut 40 Minuten flachte die Wand ab und wir näherten uns dem Nordgipfel der Wildspitze, „Top of Tirol“. Oben angekommen ging es über einen kurzen Grad zum Südgipfel der Wildspitze. Da es schon später Nachmittag war, hatten wir den Gipfel nahezu für uns allein. Nach ein paar Gipfelfotos freuten wir uns über unseren ersten Gipfel den wir mit dieser Seilschaftsbesetzung geschafft hatten. Nach dem Abstieg zum Skidepot des Normalweges wurde erstmal eine gemütliche Rast eingelegt. Johannes brach früher auf, da er zu Fuß absteigen musste. Alex und Alex zogen die Felle ab und wedelten hinunter zum Mitterkarjoch. Bis zur Breslauer Hütte war dann leider wieder Ski tragen angesagt. Es war einfach zu wenig Schneeauflage vorhanden.

Mit den letzten Sonnenstrahlen erreichten wir gegen 17:00 Uhr die Breslauer Hütte. Die Pause, um einen Tee anzusetzen und Kräfte für den Abstieg nach Vent zu sammeln, war dringend notwendig. Von der Breslauer Hütte bis zum Ende des Sesselliftes hieß es nochmal Ski tragen. Ab Bergstation Sessellift bis hinunter nach Vent führte eine mit Kunstschnee frisch präparierte Skipiste. Im Lichtkegel ihrer Stirnlampen zogen die beiden Alexander ihre Schwünge hinunter nach Vent. Dort angekommen wurde das Material im Auto verstaut und dem Johannes, welcher den Abstieg zu Fuß machen musste, eine Nachricht hinterlassen. Denn seine beiden Freunde zogen es vor in der nächstgelegen Gaststätte bei einem frisch gezapften Bier auf ihn zu warten. Als Johannes auch endlich Vent erreichte, spendierten seine beiden mit Tourenski ausgestatten Freunde ihm eine heiße Schokolade mit Schuss da seiner Leistung noch deutlich größeren Respekt gezollt werden müsste, denn während sie im Aufstieg bequem mit Tourenski voran kamen, musste er sich durch teils hüfttiefen Schnee kämpfen. So wurde in einer geselligen Runde über das Erlebte geplaudert. Gegen 22:00 Uhr traten wir die Heimfahrt nach Augsburg an und konnten glücklich dem Jahresende entgegen blicken.

Zustieg Gipfel Gipfelkreuz