168 Kilometer Natur und böse Rampen mit dem Mountainbike.

Rennsteig1Der Rennsteig ist ein Kammweg, der 168 Kilometer weit durch den Thüringer Wald, das Thüringer Schiefergebirge sowie den Frankenwald führt. Der Weg ist der älteste Fernwanderweg Deutschlands und alljährlich Austragungsort des legendären Rennsteig-Laufes. Vom Eisenacher Stadtteil Hörschel an der Werra aus nach Blankenstein an der Saale. Oder umgekehrt. 168 Kilometer versprechen genug Raum für ungestörtes Kurbeln, Schwitzen und Naturerleben. Wir entscheiden uns für die härtere Variante von Hörschel nach Blankenstein auf der Original-Rennsteig-Route. Es ist kurz nach 9 Uhr morgens, als wir uns bereitmachen zum Fertigmachen. Glückssteine aus der Werra fischen. Rucksäcke schultern. Dann rollen wir los!

Unsere Kurbeln haben sich erst wenige Male gedreht, da beißt uns der erste Anstieg schon kräftig in die Beine. Wer den Rennsteig befährt, spürt ihn ununterbrochen in jeder Faser. Die einzelnen Anstiege sind mickrig, aber derart zahlreich und  bis auf den Großen Inselsberg bäumt sich der Weg vehement bis auf über 900 Metern auf. Wurzelpassagen prüfen die Reaktionskraft, um hinter der nächsten Kurve in zahme Schotterabschnitte überzugehen. Die wenigen Wanderer, denen wir begegnen, grüßen allesamt überschwänglich. Alltags-Deserteure, genau wie wir.

Über Treppen und kurze, heftige Down-Hill-Passagen, die immer verblockter und stufig werden, geht es über ein herrliches Schotterband zur Imbiss- Baude an der „Neuen Ausspanne“.  Eine Thüringer Bratwurst macht unsere müden Beine wieder munter. Ob mit  Kümmel oder ohne, darüber herrscht ein regelrechter Glaubenskrieg. Weiter den aufgeweichten Weg in Richtung Oberhof, vorbei am Bundesleistungszentrum für Biathlon. Ein gelungener Tagesabschluß. Tagesbilanz: Rund 7 Stunden im Sattel und gut 60 Kilometer mit rund 1500 Höhenmetern.

Rennsteig2In aller Frühe starten wir zum höchsten Punkt am gesamten Rennsteig, der Große Beerberg auf 982 Meter. Da man auf dem Kamm unterwegs ist, verliert man nie maßgeblich an Höhe, aber die Kilometer rinnen quälend langsam dahin; die Stunden dagegen verfliegen. Von hier soll es tendenziell bergab gehen. Die Freude ist jedoch nur kurz, da geht es auch schon wieder zackig hoch. Arme Beine!

Tagesbilanz in der Nähe von Masserberg: Rund 8 Stunden im Sattel und ca. 50 Kilometer bei rund 700 Höhenmetern.

Ein rasches Frühstück, dann hat uns der Rennsteig mit seinen unaufhörlichen Auf- und Abs wieder. Der Schotter knirscht unter den Reifen, bevor es im Wald steil bergauf geht zur Rennsteigwarte, einem Aussichtsturm aus den 1970er Jahren mit einer super Aussicht in alle vier Richtungen. Danach ist es nicht mehr weit zum bekannten Dreiherrenstein und der wohl größten Stadt Neuhaus am Rennweg, die gleichzeitig auch das am schlechtesten beschilderte Stück Strecke markiert. Nach einigen Orientierungsschwierigkeiten fahren wir weiter Richtung Kurfürstenstein. 25 Kilometer vor dem Ziel, kreuzen wir die ehemalige innerdeutsche Grenze, die den Traditionsweg sechsmal durchschneidet. Diese markanten Trassen des heutigen Grünen Bandes erinnern an den ehemaligen Grenzstreifen und an ein unrühmliches Kapitel des geteilten Deutschlands. Endlich geht es auf Wiesenwegen schnell und steil hinunter nach Blankenstein, wo der Tacho bei 60 Kilometer und 800 Höhenmeter stehen bleibt. Es ist fortgeschrittener Nachmittag, als wir fertig sind mit Fertigmachen. Wir stehen in Blankenstein am Ufer der Saale, die sich träge dahinwälzt. Die Glückssteine plumpsen ins Wasser. Irgendjemand wird sie vielleicht irgendwann zurück nach Hörschel tragen.

Auf uns wartet jetzt erst mal eine abenteuerliche Rückreise per Bahn und Bus und wieder das Abenteuer Alltag.

Rennsteig3INFOS RENNSTEIG

Der Weg

Der Rennsteig ist ein Kammweg, der 168 Kilometer weit und 3000 Höhenmetern durch den Thüringer Wald, das Thüringer Schiefergebirge sowie den Frankenwald führt. Durch die Gesetzeslage in Thüringen ist das Biken auf dem Rennsteig legal, aber wichtig ist der gegenseitige Respekt und die Rücksichtnahme gegenüber den Wanderern.

Der Charakter

Der ständige Wechsel von kurzen, steilen Auf und Abs macht jeden Oberschenkel mürbe. Der Untergrund wechselt zwischen Wurzel-Trail und Schotterweg. Ein Hardtail ist völlig ausreichend, ein Fully empfehlenswert. Enduro-Fahrer werden nicht glücklich.

Infrastruktur

Entlang des Rennsteigs finden sich unzählige Imbiss-Bauden, Gaststätten, Hotels und Pensionen. Ein kleiner Rucksack und ein paar Euro reichen.

Weitere Infos

www.rennsteig.de

 

168 Kilometer Natur und böse Rampen mit dem Mountainbike.