Erlebnisbericht einer begeisterten Teilnehmerin
Ja, meine Lieben, den üblichen Gepflogenheiten gemäß sollte ich wohl eher einen gut gegliederten, genauen Bericht abliefern über ein paar schöne Wandertage im Allgäu. Aber, wie die Überschrift schon sagt schildere ich lieber, welch wunderbare Wandererlebnisse diese Tage für mich bedeutet haben, denn es waren für mich Tage voller "Highlights". Da ich zwar eine ziemlich alte (ich meine altersmäßig) Wanderin bin, aber beim DAV eher noch als relativer "Neuling" gelten muss (Mitglied erst seit etwas über zwei Jahren), hatte ich doch so meine Bedenken, ob ich wohl für alle oben genannten Wanderungen überhaupt "geeignet" sein würde. Aber nun der Reihe nach.Oberstiegalpe
Tag 1: Wie bei (fast) allen Seniorenfahrten in diesem Jahr hatten wir während unserer Anreise strömenden Regen. Unser Berggasthof „Falkenhütte“ hatte am 25. Juli Ruhetag, so machten wir zuerst Zwischenstation in Steibis und wanderten zu den Buchenegger Wasserfällen = Highlight Nr. 1. Diese sind wirklich sehens- und vor allem erwanderungswert. "Ganz unten", wo all das ‚Wasserfallwasser‘ sich in einem großen, ausgespülten Gumpen zwischen Felsen sammelt,- die zum Teil etwas schwierig zu umgehen waren - war die erste Rast. Nach dem Aufstieg/Anstieg aus der ‚Tiefe‘ hinauf auf normale Höhe, von dort weiter zum ersten Gipfel (ein kleiner, eigentlich bloß eher ein ‚Huppel‘), zum Hündle. Von dort ganz, ganz schöne Aussicht hinunter ins jenseitige Tal. Einkehr auf einer Alpe, Rückkehr nach Steibis zum geparkten Auto, dann auf schier endlos langer Mautstraße zum Ziel „Falkenhütte“.
Tag 2: Morgensonne! Von der Falkenhütte hinauf zum Eineguntkopf (wieder ein Gipfel, wieder ein kleiner zwar, aber unterwegs wunderschöne Ausblicke in die umliegenden Täler). Bergheil! Müde??? Woher denn! Also weiter zum Hochgrat. Ist natürlich schon beschwerlicher, manchmal sogar eine kleine Kraxelei, ein bisschen Halt an gespannten Seilhilfen, aber welch‘ herrliche Ausblicke! Und die vielen Blumen unterwegs, unsere Botanikerinnen, die Profis unter ihnen, und die anderen, die nur wissbegierigen, kamen voll auf ihre Kosten. Der Abstieg dann wesentlich leichter als der Aufstieg und dann: Highlight Nr. 2! Ich sage nur M O S T . Den gab´s auf der Schliperalpe, serviert in Steingutmaßkrügen! Ich weise darauf hin, dass der Plural "Krüge" sich in uns a c h t Wanderer aufteilte, einige sogar den Alkohol verweigerten und lieber Saftschorle bestellten. Der Rückweg, will sagen Anstieg mit Rückkehr zur Falkenhütte, gestaltete sich etwas anstrengend. Als Ausrede diente vielen von uns der nun einsetzende Sprühregen, in Wirklichkeit weiß aber jeder, wie mühsam ein Anstieg sich auf schmierigen, von massigen Bergkühen getretenen Pfaden sich anfühlt, wenn die Beine doch etwas "schwerer" geworden sind.
Tag 3: Sonne pur. Ein geretteter Tag! Für mich persönlich nicht nur Highlight 3, sondern eher Highlight "hoch drei". Unser versierter Wanderleiter hatte ein strenges, aber wunderbar fürsorgliches Augenmerk auf mich - war die bevorstehende Tour doch als schwierig eingestuft. Untertrieben?
Die schönen glatten Nagelfluhsteine waren schön rund, schön feucht und schön glitschig, hatte es die Nächte vorher doch immer wieder geregnet.
Natürlich waren an besonders schwierigen Stellen Stahlseile gespannt (die Wasserblase, die sich infolge meines krampfhaften, kraftvollen Festklammerns gebildet hatte, zeigte ich wohlweislich niemandem in meiner Gruppe!) Meine Wanderkolleginnen und -kollegen kümmerten sich liebevollst um mich, halfen mir wo es ging /wo es "haperte", die zwar überhaupt nicht ängstliche, aber doch immerhin nicht mehr ganz so fitte "Alte" erreichte mehr oder weniger souverän den Hochhädrich.
Die Blumenpracht ringsum entschädigte uns alle, wir konnten gar nicht alle namentlich benennen, derentwegen immer wieder die Wanderung unterbrochen wurde. Nach dem Abstieg und Einkehr in einer Alpe noch ein Extra: unter dem Vordach ein Nest mit noch nicht flüggen Rotschwänzchen, von ihrer Mutter, manchmal auch vom Rotschwänzchen-Vater liebevoll gefüttert.
Tag 4: Noch ein sonniger Tag, unser letztes Highlight. Die Wanderung begann recht kommod, wie man in unserem Nachbarland sagt. Der Premiumwanderweg führte uns zuerst auf die Nagelfluhkette, ein harmloses Auf und Ab. Aber dann! Sozusagen unverhofft und unvermutet - sogar unser überaus versierter, erfahrener, informierter Wanderleiter war überrascht: nach einer unspektakulären Wiesenüberquerung (mit nicht einmal besonders schönen Wiesenblumen) mündete der Weg in einen schmalen Pfad, schlängelte sich kurz tiefer und tiefer, es rauschte, es tobte: ein Gebirgsbach! Überquerung? Einfach! Es lagen genügend große Steine im Flussbett, trockenen Fußes schafften wir es hinüber. Nach ein paar hundert Metern im Wald großes Ah und Oh. Wieder derselbe Gebirgsbach, aber diesmal ohne hilfreiche Steine. Stattdessen ein Kabel, wasserrohrdick, himmelblau gefasst, quer gespannt von einer Seite des Bachs zur anderen.
Darunter ein Stahlseil gespannt, um darauf diesen "Schlund" zu überqueren. Also: Eine(r) nach der(dem) anderen. Mit den Händen schön ruhig, bitte ganz ruhig, das Seil gefasst, drunten auf dem Seil einen Fuß neben den anderen, und so schrittchenweise, ganz, ganz langsam und nur ja vorsichtig, man weiß ja: immer 3 - drei! Punkte fest!, hinüber.
Gespanntes Luftanhalten auf der Seite, wo man losgeht. Bravo! Die erste hat´s geschafft, Aufatmen. So nach und nach geht jeder hinüber, mehr oder weniger elegant. Trotzdem Applaus von allen Seiten. Das war doch was, und das am letzten Tag! Der Rest der Wanderung verlief unspektakulär, eine Einkehr noch, ein paar Schweißtropfen wegen der Sonneneinstrahlung, zum Auto, das wir morgens schon "Klar-Schiff" gemacht und weiter unten auf der Mautstraße abgestellt hatten und ruhige, in Gedanken noch einmal die letzten Tage glücklich erinnernde, Heimfahrt.