mit dem lasso ueber die piste 1„Ich bin mehr der Bergaufgeher“, erklärt Irene. „Aber wenn ich dann oben stehe, denk ich mir: Und wie komm ich jetzt wieder runter?“ So ähnlich klang es bei den fünf Teilnehmern des Wochenend-Kurses „Von der Piste ins Gelände“. Skilehrer Jens Geiger gab eine kurze verbale Einführung und dann ging’s auch schon in die Vollen – doch das hieß beileibe nicht nur Tiefschnee: „Viele Tourengeher wollen eigentlich nicht hinein in den Liftzirkus mit Anstehen und vollen Pisten, aber dort kann man eben am besten an der Fahrtechnik feilen und sich fit machen für Bruchharsch und andere Herausforderungen“, erklärte Jens Geiger das Kursziel.

Über Störer zur richtigen Grundposition

A & O im Tiefschnee sind eine stabiler Stand und ein kontrollierter Schwung. Und wie kriegt man die: durch die richtige Grundposition auf dem Ski – und die findet man, indem man erst mal ausprobiert, wie’s nicht geht: „Störer“ nannte Jens die Übungen, bei der sich mancher Zuschauer auf der Piste am Fellhorn die Augen gerieben haben dürfte: Wie fühlen sich „Schwünge“ in Clositzhaltung an? Wie stabil schwingt sich’s auf dem Innenschi? Wie kontrolliert man als vor und zurück pendelnder Schaukelstuhl die Skiführung? Wie sauber kommen die Schwünge, wenn man seinen Stock wie ein Lasso über dem Kopf kreisen lässt? Es gab so manchen Lacher aber auch viele gefühlte Erkenntnisse, zum Beispiel dass Rücklage, entgegen einer uralten Mär, immer kontraproduktiv ist – auch im Tiefschnee.

Keiner zählte mit, aber allein am ersten Vormittag waren es wohl an die 20 Übungen und Aufgaben, die zu absolvieren waren. Dazu individuelles Vorfahren mit Einzelkritik. Die Pistenverhältnisse waren nicht die besten: weicher Schnee, der am Nachmittag zusehends sulziger wurden, gar nicht zu reden von der bereits komplett zerfurchten Schneedecke neben der Piste. Kursleiter Jens war das gerade recht: „Bei Pulver kann jeder fahren.“ Umso größer das Lob am Abend: „Ihr fahrt alle deutlich besser als heute Morgen und das, obwohl die Pistenverhältnisse mittlerweile viel schlechter sind.“

Am zweiten Tag kam es noch dicker: Mit dem Theraband über die Pisten an den Grasgehren-Liften, gestreckt, gebückt und irgendwie, und als Krönung blind (!) fahren: ein unglaubliches Erleben, wie man selbst auf flacher, perfekt präparierter Piste und mit Sicherheitsguide ganz schnell die Orientierung verliert.

Zur Belohnung gab’s am Nachmittag noch eine echte Tour aufs Riedberger Horn mit Abfahrt bei definitiv ungünstigen Schnee-Bedingungen, bei denen schnell ausgepackt wurde, was man so gelernt hatte, zum Beispiel: Man kann auch mal seitrückwärts rutschen. „Super, alle gut und heil unten wieder angekommen“, lobte Jens die kleine Truppe. „Also mich hätte nur noch interessiert, wie Ihr da gestern Morgen gefahren wärt?“ Definitiv schlechter … wenn überhaupt.

Auf die Haltung kommt es an: Als ungewöhnliche Ausrüstung hatte Kursleiter Jens (rechts) Therabänder und Taue im Gepäck. Im Bild zwei der fünf Kursteilnehmer: Thomas und Thomas. Foto: Andrea Nagl