Traumhafte Frühlingstouren – Skitourenwoche 21.-25. April 2014 am Großen St. Bernhard (Schweiz)

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Weit war sie schon die Anreise, aber gelohnt hat sie sich auf jeden Fall!

Am Ostermontag ging es mit zwei Autos los Richtung Großer St. Bernhard. Nach sieben Stunden Anreise vor Ort: Täler im Frühlingsrausch. Da kostet es dann doch Disziplin, die Ski anzuschnallen und sich an einen zweistündigen Aufstieg durch weichen Schnee zu machen. Aber rauf mussten und wollten wir ja.

Als der Tag sich neigte, kamen wir endlich im Hospice du Grand-Saint-Bernard an – und wurden von den Augustiner Chorherren mit einer Tasse Tee empfangen. Neue Töne erklangen: Man spricht Französisch in diesem Teil der Schweiz.

Das Hospiz wird von der klösterlichen Gemeinschaft seit Jahrhunderten für Pilger, und heute auch für Touren- und Schneeschuhgeher, offen gehalten. Die Zimmer sind einfach, aber für ein Bergquartier recht groß. Wer will, nimmt an der Abendandacht teil, bevor zum klösterlich einfachen aber guten Abendessen gerufen wird.

(Blick vom Hospice du Grand-Saint-Bernard zurück ins Tal mit dem Mont Vélan im Hintergrund. Foto: Stephen Bäuerle)

Irgendwas geht immer …

… mit diesem Motto motivierte Robbi Ruisinger seine Gruppe (bei einem abendlichen Glas Wein oder den viel zu kleinen Schweizer Bieren), trotz wenig einladender Wetterprognose den nächsten Tag zu planen.

Der erste Tourentag führte uns zum Mont Fourchon. Anfangs spielte das Wetter noch mit, doch schon unterhalb des Gipfels holte uns der Nebel ein, so dass wir nur einen kleinen Nebengipfel erreichten. Die Abfahrt durch den Nebel war zunächst ein Blindflug – dafür war der Schnee sehr ordentlich. Im unteren Teil erfreute uns die Sonne – und der für die Jahreszeit unvermeidliche Sulz! Zurück im Hospiz ging es für alle ans heute sogenannte Chillen – bei einem kleinen Schläfchen oder beim Lesen im gemütlichen Aufenthaltsraum des Klosters.

Steiler Harsch und herrliche Hänge

Am zweiten Tag jagte uns Robbi zunächst ein ordentliches Stück unseres Anreisewegs wieder hinunter, um uns dann bei herrlichem Wetter zum Tête de Barasson aufsteigen zu lassen. Doch alles Üben des vergangenen Winters half am verharschten Steilhang nichts: Fast alle fanden wir „unsere Spitzkehre“, bei der es ohne Tricksen nicht weiterging. Nachdem der Steilhang glücklich überwunden war, konnten wir uns vom Skidepot aus auf den Weg zum Gipfel machen. Dort oben und auch zur Brotzeit im Sattel belohnte uns das warme Frühlingswetter aufs Angenehmste.

Der Rückweg war begleitet von regen Diskussionen, welchen der herrlichen Hänge man auf dem Weg noch alles mitnehmen könnte. Robbi verschaffte uns so noch mehr als eine kurze, aber großartige Abfahrt in der Frühlingssonne.

Ersehnter Fernblick

Tag drei bescherte den von uns allen erhofften Blick Richtung Mont Blanc und Grandes Jorasses: vom Tête de Fonteinte aus. Schon beim Aufstieg warfen wir alle einen – je nach Neigung – ehrfürchtigen oder neugierigen Blick auf den gegenüberliegenden Hang. Für den ungeübten Blick sah dessen Querung recht lang und steil aus – und anschließend hätte man auch noch die Ski schultern müssen, um durch das noch steilere und enge Kar aufzusteigen. Die meisten begnügten sich daher mit der herrlichen Abfahrt zu den Lacs de Fenêtre und dem anschließenden Wiederaufstieg Richtung Tête de Fonteinte. Doch zwei von uns ließen es sich nicht nehmen und starteten eine kleine Solo-Expedition zum Col du Xa und der damit verbundenen Abfahrt ins Nachbartal. Mit strahlenden Gesichtern kamen unsere beiden Expeditonsbergsteiger ins Hospiz zurück. Der Ausflug hatte sich gelohnt – schee war‘s!

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Endlich am Ziel - Anfahrt und Aufstieg zum Hospice du Grand-Saint-Bernard ziehen sich. Foto: Stephen Bäuerle

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Auf dem Tête de Barasson: von links nach rechts – Hubertus Freisinger, Lorenz und Alois Herb, Robert Ruisinger, Alexandra Caspari und Thomas Fraunholz. Foto: Stephen Bäuerle

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Abfahrt vom Tête de Barasson. Foto: Thomas Fraunholz