Drei Wandernde blicken nahe der Neuen Prager Hütte am Großvenediger auf den verschwindenden Gletscher. | © DAV / Jens Klatt

Jahr der Gletscher

11.01.2026

Das Internationale Jahr der Gletscher 2025 – was bleibt?

Die UNESCO rief das Jahr 2025 als „Internationales Jahr der Erhaltung der Gletscher“ und den 21. März jährlich als „Weltgletschertag“ aus, um weltweit das Bewusstsein für die wichtige Rolle von Schnee und Gletschern für das globale Klima zu schärfen. Gleichzeitig wurde auf die mit dem Gletscherrückgang einhergehenden wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen hingewiesen. Stichworte dazu sind steigende Meeresspiegel, fehlendes Süßwasser, verringerte Biodiversität, Rückgang der Permafrostgebiete und ein erhöhtes Katastrophenrisiko. Ebenso befasste sich der letztjährige Internationale Tag der Berge am 11. Dezember unter dem Titel „Glaciers matter for water, food and livelihoods in mountains and beyond“ – „Gletscher sind wichtig für Wasser, Nahrung und Lebensgrundlagen in den Bergen und darüber hinaus“ mit diesen Sachverhalten.

Vor wenigen Jahrzehnten nannte man die Gletscherflächen noch „ewiges Eis“. Aber dieser Begriff gilt nicht mehr. Heute spricht man von vergangenem oder vergehendem Eis. Messungen und Hochrechnungen ergeben, dass bis Ende des Jahrhunderts fast alle alpinen Gletscher verschwunden sein werden. Öde, braune Schuttmassen, auf denen die Seilbahnstützen nicht mehr funktionierender Skigebiete vor sich hin rosten, und Felsgebiete werden zurückbleiben.

Requiem für einen Gletscher

Im Sommer 2023 wurde bereits der nördliche Zugspitzgletscher (Nördliche Schneeferner) mit einem ökumenischen Requiem beerdigt. Auf dem Sterbebildchen war zu lesen: „In großer Trauer um den Zugspitzgletscher, geboren 10.000 v. Chr., gestorben in den 2020er Jahren an der Erderwärmung.“ Eine ähnliche Zeremonie fand wenig später auf der Pasterze statt, aktuell noch Österreichs größtem Gletscher. Akteure aus Politik, Wissenschaft, Bergsport und Naturschutz brachten im August 2025 auf der Zugspitze gemeinsam die Resolution „Unsere Gletscher, unsere Berge: Heimat bewahren!“ auf den Weg. Sie forderten konsequenten Schutz für Artenvielfalt und Bergwälder sowie ein klares Bekenntnis für ein „klimaneutrales Bayern 2040“.

Kurz danach dokumentierte die sechste „Gletscherkarawane“, organisiert von der Alpenschutzkommission Cipra Italien und anderen Verbänden, den Zustand von acht alpinen Gletschern, die als Extrembeispiele gelten oder durch besondere Forschung herausstechen. In vielen Staaten fanden ähnliche Infoveranstaltungen und Kundgebungen statt, die eindringlich klimapolitische Maßnahmen verlangten, die die Klimaerwärmung stoppen oder wenigstens eindämmen könnten. In den Alpen könnte vielleicht ein Viertel des noch vorhandenen Eises in höheren Lagen überleben – so die vorsichtige Hoffnung.

Wir sind die letzte Generation

Denn uns muss klar sein: Wir sind die letzte Generation, die die Gletscherreste bewundern kann. Und aus alpinistischer Seite betrachtet sind wir die Letzten, die bei Bergtouren im Gletscherbereich wunderbare Erlebnisse und Wildniserfahrungen haben können. Die Zukunft wird zeigen, ob die politisch Verantwortlichen – zusammen mit jeder und jedem von uns – den Weckruf dieses Internationalen Jahres zum Erhalt der Gletscher hören und sie das Ruder noch einmal herumreißen werden. Denn heutzutage ist der Klimaschutz verwässert und steht eher am Rande des politischen Geschehens. So streitet ein amerikanischer Präsident die Klimakrise ab und in Deutschland wurde die Luftverkehrsteuer reduziert. Vielleicht wurde bei all den Reden und Aktionen zum Internationalen Jahr der Berge nur eines erzeugt, nämlich buchstäblich heiße Luft, die die Gletscher weiter schmelzen lässt und ihnen den Todesstoß versetzt.

Text: Gotlind Blechschmidt.