Emil Reister (BFD) | © DAV Kletterzentrum Augsburg

Emil Reister

Meine Trainerausbildung als Bundesfreiwilligendienstler

Von: Emil Reister

Das DAV Kletterzentrum Augsburg hat jedes Jahr zwei Bundesfreiwilligendienst-Stellen, eine davon habe ich dieses Jahr besetzt. Die Aufgaben als Bundesfreiwilligendienstleistender (Bufdi) sind vielseitig. Von Routenbau bis hin zu Öffentlichkeitsarbeit ist alles mögliche dabei. Eine meiner Hauptaufgaben als BFDler ist dabei die Leitung der wöchentlichen Klettergruppen für Kinder und Jugendliche gemeinsam mit einem weiteren Trainer.

Um dieser Aufgabe gut gerecht werden zu können, wurde ich in diesem Jahr von der Sektion Augsburg auf einen Trainerlehrgang geschickt. Ich durfte dabei die Ausbildung zum Trainer C Leistungssport besuchen.

So lief mein Trainerschein ab:

Die Ausbildung zum Trainer C ist in zweimal eine Woche aufgeteilt. Meinen ersten Trainerlehrgang habe ich im Februar im Swoboda Alpin in Kempten absolviert. 

Die Inhalte dieses ersten Lehrgangs waren weitreichend. Von der Betreuung von Kletterwettkämpfen über die Gestaltung eines Trainingsplans bis hin zu Themen wie PSA (persönliche Schutzausrüstung) oder Recht und Versicherungen war alles dabei. Anders als beim Trainer C Breitensport, ist beim Trainer C Leistungssport der Kletterbetreuer kein Teil des ersten Lehrgangs. Die Inhalte, wie etwa die Vermittlung von Sicherungstechniken, sind hier vorausgesetzt. Somit lässt sich der Fokus leichter auf das Training von Kindern und Jugendlichen legen.

Schon an Tag 3 des Trainerlehrganges stand ein großer Höhepunkt der ersten Wochen an: die Leistungsüberprüfung. Um den ersten Teil der Ausbildung zu bestehen, muss mindestens der Grad 7a (8 UIAA) im Onsight (das heißt beim ersten Versuch ohne Belastung des Seils) geklettert werden. Alternativ lässt sich die Leistungsprüfung auch in einer der anderen Wettkampfdisziplinen ablegen, entweder im Bouldern, oder im Speed (was ich gewählt habe). Trotz vereister Speedaußenwand an dem kalten Februarmorgen konnte ich diese Prüfung gefahrlos meistern. Alle Teilnehmer haben an diesem Tag bestanden, was die generelle Atmosphäre in den nächsten Tagen deutlich aufheiterte, da in diesem Lehrgang nur diese eine Prüfung zu bestehen war.

Die restlichen Tage waren vollgepackt mit Inhalten. Primär ging es viel um effizientes Klettern, verschiedene Klettertechniken und Trainingsplanung, aber auch das Thema PSG (Prävention sexualisierter Gewalt) fand seinen Platz. Neben den Lehrinhalten blieb trotz des straffen Zeitplans noch genug Zeit zum selbstständigen Klettern und Bouldern in der schönen Halle im Allgäu. An manchen Tagen war man aber auch schon so ausgelaugt von der Vormittags-Kraftausdauersession, sodass dann gar nichts mehr ging.

So ein Trainerlehrgang ist immer auch eine tolle Möglichkeit, um neue Kletterhallen kennenzulernen und sich mit anderen Menschen aus ganz Deutschland über seine Erfahrungen auszutauschen. Bei den gemeinsamen Abendessen gab es viele interessante Gespräche und mindestens genauso viel mitzunehmen wie beim offiziellen Teil des Lehrgangs.

Mein zweiter Trainerlehrgang fand Anfang Mai in Heilbronn statt. Manche Teilnehmer hier kannte ich bereits vom ersten Lehrgang, andere noch nicht. Man muss die beiden Trainerlehrgänge nicht direkt hintereinander machen, weshalb man jedes Mal in einer etwas anderen Gruppe landet.

Inhaltlich wurde auf die Grundlagen aus der ersten Woche aufgebaut, es kamen aber auch noch neue Themen dazu. Beispielsweise haben wir uns intensiv mit den motorischen Grundfähigkeiten von Kindern beschäftigt und uns dabei eine Stunde hüpfend, rollend, krabbelnd und robbend durch den Boulderraum bewegt. Auch die Disziplin Speed wurde an einem Tag besonders in den Vordergrund gerückt, sodass viele zum ersten Mal die genormte Speedroute austesten konnten.

Die Klettertechnik wurde in dieser Woche weiter vertieft und verfeinert, denn am Ende stand eine Technikprüfung an. Am 20-Zug-Standardboulder (Schwierigkeit 6b+ Fb) mussten wir eine saubere Klettertechnik gemäß Technikleitbild Wandklettern demonstrieren. Hinzu kam als eine zweite Prüfung die Lehrprobe: Zu zweit mussten wir dabei unter Beweis stellen, wie gut wir Trainingsinhalte vermitteln können und ein kleines Training für die anderen Teilnehmenden geben.

Trotz dieser beiden Prüfungen blieb uns noch genug freie Zeit, um sich untereinander auszutauschen. Der Wechsel aus Theorie und ausreichend Praxis sorgte dafür, dass uns auch an langen Tagen nie der Spaß an der Sache verging.

Insgesamt bin ich sehr glücklich darüber, dass der DAV Augsburg es ermöglicht hat, dass ich diese beiden Lehrgänge besuchen durfte. Ich habe sehr viel gelernt und neue Bekanntschaften geschlossen und freue mich schon darauf, das neu gewonnene Wissen bald in der Leistungsgruppe der Sektion Augsburg anzuwenden. Auch während meines BFD-Jahrs konnte ich ganz viel theoretisches Wissen in die Praxis umsetzen und freue mich über die Erfahrungen, die ich machen durfte.