© Frauen Alpin / Christine Neumann

Karwendel Durchquerung

Eine Gemeinschaftstour auf einsame Gipfel

26.09.2025

1. Tag: Anreise und Pleisenspitze


Trotz durchwachsener Wettervorhersage starteten wir früh morgens zu viert – noch bei leichtem Nieselregen – in Augsburg in Richtung Karwendel. Nach dem Zwischenstopp in Garmisch waren wir dann schon zu fünft und alle mit ausreichend Bargeld versorgt, sodass wir die Weiterfahrt nach Scharniz zu unserem Startpunkt ruhigen Gewissens fortführen konnten. Auf dem Wanderparkplatz war uns das Wetter dann schon freundlicher gesonnen und auch unser letztes Mitglied der Durchquerung hatte sich zu uns gesellt. Noch schnell die Wanderstiefel angezogen und schon ging es los in Richtung Pleisenhütte. Zuerst auf einem Fahrweg entlang der türkisfarbenen Isar und weiter etwas steiler aufsteigend auf einem schönen Pfad durch bewaldetes Gelände. Kurz vor der Hütte lichtete sich der Wald und wurde von Latschen abgelöst. An der Hütte angekommen nutzten wir die Gelegenheit für ein kleines warmes Getränk in Form von Kaffee oder Kakao. 

Nach einer gemütlichen Pause ging es mit leichterem Gepäck weiter Richtung Pleisenspitze. Die von Dohlen umkreise Spitze immer im Blick ließen wir auch die letzten Latschen hinter uns und erreichten schon bald unser von Wind geplagtes Ziel. Eine kurze Gipfelrast später, machten wir uns leicht verfroren an den Abstieg zurück zur Hütte, wo die Planung für den nächsten Tag begann. Der Toni-Gaugg-Weg sollte es werden, aber welche Gipfelziele lassen damit kombinieren? Hält das Wetter? Mit vielen Möglichkeiten im Kopf und ungewisser Wettervorhersage legten wir uns schließlich schlafen.

2. Tag: Toni-Gaugg-Weg


Morgens, oberhalb der Wolkendecke, begannen wir unsere Reise entlang des Toni-Gaugg-Weges. Noch unsicher, ob wir aufgrund von gefallenem Neuschnee, auf die Talroute ausweichen müssten. Durch die Latschen ging es entlang der Bergflanke auf und ab mit wunderschöner Talsicht und immer wieder wechselndem Gelände, zur ersten Schlüsselstelle: Einer steilen doch recht bröseligen Rinne, bei der wir unsere Kletterhelme auspackten, um uns vor Steinschlag zu schützen. Diese meisterten wir gut und fanden uns im Anschluss im Gämsengelände wieder. Nun war der Blick auf die ersten Gipfelziele – die große Riedlkarspitze und die Breitgrieskarspitze – frei. Zwei von uns entschieden sich beide Gipfel mitzunehmen, der Rest nur Letztere. Nach den Gipfeln ging es weiter in Richtung Biwakschachtel. Bei dem kalten Wind dachten wir einen kurzen Moment über eine windgeschützte Rast dort nach, aber zu sechst war es uns dann doch zu eng.

Weiter ging es also über die Seekarscharte in das sonnige und windgeschützte Bockkar. Hier genossen wir nochmal den schönen Sonnenschein, bevor wir über die nördliche Ödkarscharte zum Karwendelhaus abstiegen um die Tourenplanung für den nächsten Tag anzugehen. Zur Auswahl standen der direkte Übergang zur Hallerangeralm über die Birkkarspitze, oder der etwas weitere Weg, welcher die Möglichkeit bot die Ödkarspitzen mitzunehmen. Jeweils drei von uns entschieden sich den einen oder den anderen Weg am nächsten Tag in Angriff zu nehmen. Auch dieses Mal, die Wettervorhersage rechtuneindeutig.

3. Tag : Birkkarspitze


Team Ödkarspitze startetet hoch motiviert schon vor dem Frühstück in die Runde. Team Übergang lies es gemächlicher angehen und genoss noch den Kaffee vor dem Aufstieg. Ziel war es sich an der Birkkarspitze wieder zu treffen. Noch war das wiedertreffen ungewiss, war doch am Vortag und über Nacht Schnee gefallen. So ging es für beide Gruppen gespannt den Weg entlang bis zur Schneefallgrenze. Dort freute sich Team Übergang über die Möglichkeit die Grödlen einzusetzen, bei Team Ödkarspitze bestand dazu keine Notwendigkeit. Leicht zeitlich versetzt trafen beide Gruppen an der Birkkarspitze ein und wir feierten das Wiedersehen.

Nach der Gipfelrast ging es lange steil abwärts durch eine Mondlandschaft und schließlich durch Schotterfelder in Geländer mit Latschenbewuchs. Passend zur Mittagsrast erreichten wir einen kleinen Wasserfall mit Badebecken. Hier wurden die Füße eingetaucht und auch mal ganz hineingesprungen. Nach der Rast ging es noch weiter Bergab, sodass die Latschen Bäumen wichen. Am Talboden angekommen nutzen wir die Einkehrmöglichkeit bei der Kastenalm, die gerade ihr Jubiläum feierte. Gut gestärkt mit einem Kuchenstück ordentlicher Größe überwanden wir anschließend noch den restlichen Anstieg zur Hallerangeralm entlang der Forststraße. Dort erwartete uns Luxus pur! Warme Duschen, ein Lager für uns alleine und Gamsbolognese aus eigener Jagd. Zeit für die Planung unserer letzten Etappe... 

4. Tag: Großer Bettelwurf


Gut erholt und mit reichhaltigem Frühstück im Magen machten wir uns auf den Weg zu unserem ersten Etappenziel, der Bettelwurfhütte. Die Speckkarspitze ließen wir dabei aus Zeitgründen links liegen und stiegen über das Lafatscherjoch – nicht mehr ganz so einsam wie die letzten Tage – in Richtung Bettelwurfhütte. Unterwegs erwiesen sich das Inntal, sowie die umgebenden Gipfel noch etwas schüchtern und versteckten sich in und unter einer dicken Wolkendecke. Da es in den Wolken herbstlich frisch war, kehrten wir, in der Hoffnung auf eine warme Rastmöglichkeit, bei der Bettwurfhütte auf ein Stück Kuchen ein. Zeitnah entschieden wir den großen Bettelwurf auf unserer Tour noch mitzunehmen. Dabei nahmen drei von uns den Zustieg über den Klettersteig und damit über den kleinen Bettwelwurf, die anderen Drei wählten den Normalweg. So ging es nochmals steil bergauf, dieses Mal in felsigem Gelände bei schöner und abwechslungsreicher Kraxelei und immer in der Hoffnung, dass sich die Wolkendecke mit uns hebt.

Am Gipfel wurden wir nicht enttäuscht, hatten sich die Wolken doch noch etwas angehoben und gaben die Sicht auf die Täler frei. Außerdem wurden wir am Gipfel noch von einem fremden Wanderer mit Espresso überrascht. Diesen nahmen wir dankend entgegen und teilten uns letzten Gifelgummibärchen mit ihm. Kurz darauf feierten wir wiedervereinigt den Gipfelsieg und traten alsbald den langen Abstieg an. Hier genossen wir noch einige lange Abfahrten in feinstem und nicht ganz so feinem Schotter. Im Halltal angekommen beendeten wir glücklich die Durchquerung. Mittels eines Taxis erreichten wir unseren ursprünglichen Startpunkt und traten anschließend mit diversen Ideen für weitere Touren, die Rückreise nach Augsburg an.