© Frauen Alpin / Annika Karl

Heiss und schwitzig

4 Tage Skihochtour in der Schweiz

17.04.2026

Tag 1 - Hitze und Slush

Am Freitag, den 17.04.2026, starten sieben Frauen um 6 Uhr Richtung Berner Oberland zum Skihochtourenwochenende. Nach Wetterstudium haben 3 von 7 ein T-Shirt dabei und zur Einstimmung auf die sonnigen Terrassennachmittage gibt’s bereits ein Eis an der Tanke.

Zum Glück haben wir am Stausee Räterichsboden auch noch Schnee für den Aufstieg zur Bächlitalhütte gefunden. Der Schnee zugegeben in eher slushy Zustand und wir mit ordentlich Schweissperlen sind wir mittags dort angekommen und haben die schöne Terrasse genossen und den Übergang für den morgigen Tag analysiert. 

Das Abendessen startend mit Apero, weiter mit leckerer Rotkohlsuppe, Spinatnudeln und Mohnkuchen waren vorzüglich. Zufrieden ziehen wir uns in unser privates Lager zurück.

Tag 2 - geile Abfahrt und kein Ende

Der Wecker klingelt früh: Bereits um halb sechs stehen wir auf den Skiern und rutschen mit Stirnlampen den ersten Hang hinab. Wir kommen zügig Richtung obere Bächlilücken. Die mit Leitern und Ketten perfekt abgesicherte Scharte bietet tolle Aussicht. 

Wir inspizieren bereits die tollen Gletscherhänge und überlegen, ob wir direkt nach der Scharte beim Hienderstock abfahren oder doch noch das Hubelhoren mitnehmen.

Der Gipfel entkommt uns nicht, bietet tolle Aussicht auf Finsterahorn und Schreckhorn und die Abfahrt ist perfekt. Wir ziehen tolle Spuren und genießen jeden Schwung. Auf das nasskalte Bad im nicht mehr ganz zugefrorenen See (die eigentlich Route führt darüber) haben wir keine Lust und finden eine schöne Lücke durch das Felsenmeer hin zur Hängebrücke. 

Danach folgt Labyrinth und Techniktraining (Spitzkehrenklettern, Felle halten auch am Fels). Der Weg zur Gaulihütte war auch schon mal kürzer, aber nachdem sogar die Felle nicht mehr kleben, kommen wir doch noch an.

Dort erwarten uns erneut tolle Sonnenterasse, sehr moderne Hütte und vor allem guten Bialettikaffee.

Tag 3 – zwischen Whiteout und Traumabfahrt

Keiner konnte uns sagen, was uns wettertechnisch erwartet – und genau so kam es auch: von allem etwas.

Schon früh zeigte der Berg seine raue Seite. 1000 Höhenmeter im Schneesturm, Whiteout, kaum Sicht. Die Spur verschwindet, der Wind drückt, Orientierung wird zur Herausforderung. Kurz innehalten, Optionen durchgehen – aber eines war klar: Abbrechen ist keine.

Also umplanen, neu denken, weitergehen. Ein anderer Gipfel, ein anderer Weg. Und plötzlich dieser Wandel: Der Sturm lässt nach, die Wolken reißen auf, und vor uns liegt ein Gletscher im frischen Neuschnee. Sonne bricht durch – und mit ihr kommt dieser Moment, für den man losgeht.

Die Abfahrt wird zum Highlight des Wochenendes. Pulverschnee, perfekte Bedingungen, jeder Schwung sitzt. Ein Gefühl von Leichtigkeit nach all den Strapazen zuvor.

Zurück auf der Hütte dann das nächste Naturschauspiel: pünktlich zu Kaffee und Kuchen sitzen wir auf der Terrasse – in der Sonne. Und gleichzeitig im Regen. Ein fast surrealer Abschluss für einen Tag, der alles hatte.

Ein Tag, der bleibt.

Tag 4 – zäh, steil und voller Willen

Der letzte Tag beginnt dort, wo andere aufhören würden: im Dunkeln. Mit Stirnlampe geht es in eine eisige Abfahrt – konzentriert, vorsichtig, jeder Schwung sitzt, während nur der Lichtkegel den nächsten Meter freigibt.

Was folgt, kostet Nerven. Rund zwei Stunden brauchen wir, um überhaupt aus der näheren Hüttenumgebung herauszufinden. Orientierung, Gelände, Bedingungen – alles fordert uns noch einmal richtig.

Dann der Aufstieg: steil, hart, scheinbar endlos. Harscheisen greifen ins Eis, Schritt für Schritt kämpfen wir uns den Hang hinauf. Die Beine werden schwer, der Rhythmus zäh – aber aufgeben ist keine Option.

Ein kurzer Schreckmoment: Ein Ski löst sich und stürzt ab. Stillstand. Durchatmen. Optionen durchgehen. Doch auch hier ist klar – wir holen ihn zurück. Gesagt, getan.

Mit müden Beinen, aber festem Willen geht es weiter, bis wir oben stehen. Und dann wartet sie: die 50-Grad-Rinne. Steil, fordernd, aber genau das, worauf wir hingearbeitet haben. Die Abfahrt verlangt noch einmal alles – und belohnt zugleich.

Weiter unten wird der Schnee weicher, Sulz unter den Skiern, endlich wieder flüssige, genussvolle Schwünge. Und als wäre das nicht schon genug, zieht sich das Weiß tatsächlich bis ins Tal.

Ein würdiger Abschluss – hart erkämpft, aber genau so, wie man ihn sich wünscht.