Zurück in Ottobeuren - Blick auf die Basilika | © DAV Augsburg Senioren

Von Ottobeuren zu den Geologischen Orgeln

Wanderziele werden etwa ein Jahr im Voraus festgelegt. Doch wie das Wetter im Oktober und November sein wird, lässt sich so lange vorher kaum abschätzen: erwartet uns ein sonniger Herbsttag oder doch eher trübes Nebelwetter? Der Vorschlag „Geologische Orgeln“ aus dem Rother Wanderführer Allgäu IV passte gut zu diesen Unwägbarkeiten. Die Wanderung im Alpenvorland ab Ottobeuren ließ sich auch bei weniger schönem Wetter gut unternehmen und versprach trotz fehlender Berge reichlich Abwechslung.

Das überzeugte 21 Senior*innen, sich von den beiden Wanderführern Ernst und Hans auf einem Rundkurs durch den Ottobeurer Bannwald und drei idyllische Wiesentäler zu einer einzigartigen Felsformation am Illerhang bei Worring führen zu lassen.

Der Tag begann sonnig und blieb es auch, trotz einiger dunkler Wolken. Von der Bushaltestelle in Ottobeuren führte unser Weg rasch aus dem Ort hinaus und über eine Wiese hinauf zu einer Stele aus Nagelfluh mit dem Titel „Kuipergürtel“ – der letzten Station des Planetenwegs Ottobeuren. Von dort bot sich ein großartiger Blick auf die berühmte Barockbasilika.

Anschließend tauchten wir in den Bannwald ein. Ein Waldlehrpfad gab uns einige Rätsel auf: „Wer bin ich?“ stand auf Schildern an mehreren Bäumen. Das geballte Wissen unserer 23-köpfigen Wandergruppe ließ die Antworten schnell finden: Buche, Douglasie, Kirsche, Fichte, Eiche, Lärche und weitere Baumarten. Am Waldrand deutete Teilnehmer Gerhard auf ein flaches Gebäude mit Kuppel jenseits eines Ackers. Das sei die Allgäuer Volkssternwarte.

Kurz und steil ging es hinunter zum Motzbach und an weidenden Kälbern vorbei wieder hinauf zum Weiler Wolferts. Nach einer kurzen Pause wanderten wir durch das Tal des Hungerbachs und anschließend hinauf zur nächsten Hochfläche in Richtung Klessen. Nach dem romantischen Krebsbachtal näherten wir uns endlich unserem Ziel. An einem Bauernhof wies uns ein Schild den Weg zu den Geologischen Orgeln.

Ein schmaler Wiesenpfad führte zum Waldrand. Von dort stiegen wir über zahlreiche Holzstufen den steilen Abhang des Illertals hinunter. Treppen und ein abschüssiger Steig erschlossen uns eine Wand aus Nagelfluhgestein. Ein Geländer schützte uns vor einem Absturz, während wir die etwa 30 Meter breite Felsformation erkundeten. Deutlich waren senkrechte, halbrund-tonnenförmige Vertiefungen mit einem Durchmesser von etwa einem halben Meter zu erkennen. Laut Hinweistafel wurden sie ähnlich wie Gletschertöpfe durch eiszeitliches Schmelzwasser in das Gestein „gebohrt“. Die Verwitterung nagt inzwischen an der Felswand, doch einige geschlossene Röhren sind noch sichtbar und belegen die auf der Hinweistafel erläuterte Entstehung.

Nun war es Zeit für die Mittagspause. Essen und Trinken hatten wir im Rucksack dabei. Sitzgelegenheiten waren allerdings Mangelware: Die wenigen Baumstümpfe waren rasch besetzt, sodass die meisten von uns ihre Brotzeit im Stehen einnahmen.

Danach machten wir uns auf den Rückweg. Zunächst stiegen wir den steilen Illerhang hinauf, dann ging es auf einem wurzeligen Pfad durch den Laubwald wieder hinunter ins Krebsbachtal. Anschließend erreichten wir die Hochfläche von Niebers mit einem schönen Blick über das Illertal und die Allgäuer Hügellandschaft.

Nach den Tälern von Hungerbach und Schinderbächlein überraschte uns der Motzbach, der wie ein Waalweg am bewaldeten Hang entlangführte. Offenbar waren wir wieder auf dem Planetenweg gelandet, denn schon nach wenigen Metern stießen wir auf eine Stele des Neptun. Gerhard wusste einiges über den äußersten Planeten unseres Sonnensystems und den menschlichen Erkundungsdrang im Weltall zu erzählen.

Weiter folgten wir dem „Waalweg“ und gelangten jenseits einer kleinen Anhöhe wieder zum Ausgangspunkt unserer Runde. Zum Abschluss besichtigten wir noch die prachtvolle Basilika, an deren Gestaltung bedeutende Meister ihrer Zeit mitgewirkt haben. Wenig später stiegen wir in den Bus nach Memmingen – mit vielen schönen Eindrücken von einer abwechslungsreichen Wanderung im Ottobeurer Voralpenland.

Die 45 Minuten Wartezeit auf den Zug in Memmingen nutzten wir in kleinen Gruppen für einen kurzen Bummel durch die Altstadt, einen Besuch in Gaststätten und Cafés oder einen Abstecher in die MEWO-Kunsthalle für moderne Kunst.

Ach ja, die Hin- und Rückreise bei ÖPNV-Touren: Drei Umstiege waren bei der Hinfahrt zu bewältigen, zwei bei der Rückfahrt. Um es vorwegzunehmen: Alles lief pünktlich – bis kurz vor Augsburg der Triebfahrzeugführer per Lautsprecher mitteilte, dass Kinder Schottersteine auf die Schienen gelegt hätten und diese erst entfernt werden müssten. So trafen wir schließlich mit zehn Minuten Verspätung, aber zufrieden mit dem Tag, am Augsburger Hauptbahnhof ein.

Ernst Kundinger